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Tomorrow belongs to those who can hear it coming
Thema: Mottenpost 5.11: Schöneberger Sängerknabe (362-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema
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Mottenpost 5.11: Schöneberger Sängerknabe

So, dank der nicht vorhandenen All-Posts-at-a-view-Funktion (nä, Reinhold ...) hab ich jetzt keine Peilung mehr, ob nu schon irgendwo gepostet oder nicht. Würd ich zur dieser Tageszeit zwar vermuten, hab's aber beim Überfliegen der Threads nicht gesehen. Na besser doppelt als gar nicht, was? ... damit Just_Me auf jeden Fall wieder was hat, worüber sie sich aufregen kann ... ;-)

Keep swinging

* beate *


Zitat
http://morgenpost.berlin1.de/archiv2003/031105/feuilleton/story639357.html[/url]"][size=0px]Schöneberger Sängerknabe[/size]
David Bowie hielt drei Stunden Rückschau in Berlin. Ohne Verkleidung

Von Michael Pilz

Gern kehrt David Bowie nach Berlin zurück. In Schöneberg hat er von 1976 bis 1979 gelebt, gewirkt und die Jahrhundert-Alben "Low", "Heroes" und "Lodger" hinterlassen. "It's good to be back", ruft Bowie. Schön, wieder hier zu sein.

Alte Filmaufnahmen von Konzerten David Bowies zeigen in verwaschenen Farben, dass es für Besucher früher strenge Regeln gab für Make-up, Haartracht und Garderobe. Männer trugen Abendkleider, Damen schminkten sich zu traurigen Pierrots. Man föhnte sich Frisuren, die an Fuchskappen erinnerten. Dann kam die Zeit der hellen Smokings, je nachdem, in welcher Rolle Bowie jeweils auftrat. Als Ziggy Sternenstaub, als Diamantenhund oder als dünner, bleicher Herzog.

Heute ist der Dresscode aufgehoben. Bowie steigt in Jeans und Sakko auf die Bühne, wirft das Sakko später ab und musiziert im ärmellosen T-Shirt, das den Trainingszustand eindrucksvoll zur Geltung bringen soll. Auch die Besucher tragen Alltagskleidung. Was erzählt das über David Bowie?

Es erklärt im Grunde, wie sich die Geschichte schließt: Von David Robert Jones, der ausgezogen war aus Brixton, sich in drei Jahrzehnten manisch wandelte und häutete, um bei sich anzukommen. Die Geschichte ist damit zu Ende, denn wenn David Bowie nicht gestorben ist, singt er in dreißig Jahren noch die alten Hits. Er hat sie losgelöst von seinen Rollen. Wie sich unsere Lederjacken vom Geruch der Rebellion gereinigt haben oder unsere Anzüge vom Ausdruck subversiver Eleganz.

Als Bowie also auf die Bühne eilt und freundlich "Rebel Rebel" singt, wirft er die Frage auf, was ihn jetzt noch vom Stadionrocker unterscheidet. Stadionrocker reisen dienstlich um die Welt, um ihre immer gleichen Lieder aufzuführen - man besucht sie, weil sie zuverlässig sind und deshalb immer viele Gäste kommen und gemeinsam feiern. Und dagegen bleibt ja auch nichts einzuwenden. Aber Bowie? Dieser Mann, der in der Siebzigern vom Himmel fiel in den verschwitzten Rock 'n' Roll, als wäre er ein Außeridischer?

Daran erinnert David Bowie aber unvermindert gern. Denn es erhebt ihn selbst als Unterhaltungsunternehmer mit stabilen Aktienwerten über einen Zirkus, dessen Hauptdarsteller immer glaubten, auch als Rockstars ganz sie selbst zu sein. Bevor er "Rebel Rebel" singt auf einer Bühne voller schiefer Dielenbretter und gemalter Steinfassaden, präsentiert sich Bowie auf der Videowand als Zeichentrickfigur. Die virtuelle Band verwandelt sich im Film in eine echte, dann erst findet sie sich körperlich in der Max-Schmeling-Halle ein. Auch ein Konzert ist nur die Inszenierung einer Inszenierung. Holz unter den Füßen, hoch über den Köpfen rasend projizierte Bilder, damit wäre das geklärt, und Bowie darf ohne Kostüm und Maske Höhepunkte seines Schaffens resümieren.

Dazu zählt der fröhliche Ausruf "It's good to be back!" und das Anstimmen der Hymne "Heroes" aus seiner Berliner Zeit gewagter Drogen- und Musikexperimente, Schöneberg, um 1976. Es gibt Songs der letzten beiden Alben "Heathen" und "Reality", in denen er die dreißig Jahre alten Lieder schamlos selbst kopiert wie "Slip Away" und "New Killer Star". Die opportunistisch ausgelassenen achtziger Jahre werden gestreift mit "China Girl" und "Under Pressure". Aus den Neunzigern donnern heran: "I'm Afraid Of Americans" und "Hello Spaceboy". Doch am schönsten finden Bowie und seine Besucher Lieder aus den Siebzigern. Wie das Chamäleon-Programmstück "Changes", wie "Ashes To Ashes", "The Man Who Sold The World" und schließlich "Ziggy Stardust". Dass die Band doch alle Stücke ähnlich klingen lässt im Mehrzweckhallen-Rock, ist ebenfalls ihr gutes Recht, wenn Bowie Werk- und Rückschau hält.

Er hat ja klar gemacht, worum es geht: Er tigert über seine seltsame Theaterbühne, seinen Guckkasten, wo Birken von der Decke hängen, was auch immer das bedeuten soll. Wenn David Bowie auftritt, will er weniger beweisen, dass er weiß, wie sich mit Würde altern lässt, als dass auch würdevoller Stadionrock nicht ganz unmöglich ist. Es geht darum, dass selbst der Mensch im Medienzeitalter nicht bis zum Tod sein Wesen wechseln muss. Wer heute David Bowie im Konzert besucht, darf tragen, was er will.

Mottenpost 5.11: Schöneberger Sängerknabe

Antwort #1
Zitat
... damit Just_Me auf jeden Fall wieder was hat, worüber sie sich aufregen kann ...


Das ist lieb von dir. Und ich hab auch tatsächlich was gefunden:

Zitat
Dazu zählt der fröhliche Ausruf "It's good to be back!" und das Anstimmen der Hymne "Heroes" aus seiner Berliner Zeit gewagter Drogen- und Musikexperimente, Schöneberg, um 1976.


Ha! Falsch! Das war natürlich erst so um '77, '78!
Hach, wat is dat schön, wenn man Fehler bei ANDEREN finden kann! ;o)))

Re: tatsächlich was gefunden

Antwort #2
Zitat
Das ist lieb von dir.

Nä ...? 

Zitat
  Und ich hab auch tatsächlich was gefunden

Wusst ich's doch ...  8)
... musst mal die anderen Kritiken durchgucken ... viiiiel Potential ... ;-)

Keep swinging

* beate *

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Antwort #3
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Keep swinging

* beate *

 
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