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Tomorrow belongs to those who can hear it coming
Thema: Galore-Interview - Loneliest Guy (562-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema
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Galore-Interview - Loneliest Guy

:-D
Hallo,
also da ich (auch) seit einer Woche das Bett (erneut) gehütet habe, bin ich heute das erste Mal wieder auf der Strasse gewesen und siehe da, bei mir um die Ecke gab's diese Zeitschrift namens "Galore".
Um es kurz zu machen: ich kaufte sie.
Habe das Interview gelesen und musste schon schmunzeln.
Eigenlich habe ich ich richtig gegrinst.
Was habe ich mir nicht einen Kopf gemacht über "The Loneliest Guy".
Wen meint er damit?
Sich selbst?
Welches traumatische Erlebnis liegt dem Lied zugrunde?
Nix da!
Alles falsch!
Die Auflösung ist so verblüffend wie amüsant.
Bowie fängt in diesem kleinen Liedchen die Atmosphäre einer der seltsamsten Städte der Welt ein.
BRASILIA!
Brasilia ist die un-brasilianischte, un-südamerikanischte Stadt Südamerikas. Brasilia ist eine Ende der fünfziger Jahren hochgezogene Trabantenstadt, ein Werk des Architikten Oscar Niemeyer, ein Gebilde das als künstlerische Vision bestimmt seinen Wert hatte, jedoch irgendwie die Bedürfnisse der Bevölkerung komplett negiert.
Gebaut für einpaar Millionen verlieren sich in dieser unwirklichen Beton-Welt etwa 200 000 Menschen und Bowie sagte in dem Interview:
"Der Blick den man in dieser Stadt hat ist einfach fantastisch, es fehlen nur die normalen Anzeichen von Zivilisation. Ich stelle mir vor, wie ich aus einem Fenster von einem dieser Gebäude schaue. Aus dieser Perspektive habe ich den Song geschrieben. "
 
So, ab jetzt werde ich den Song mit ganz anderen Ohren hören und auch bildlich vor mir sehen und ich werde ihn gerne haben!
Ja, dass ist gut, Herr Bowie!
Das ist wirklich gut und originell und anders kann man den Song auch nicht singen.
Und für alle die Brasilia nicht kennen, hier ist ein Bild.
Es ist ein Bild von einer Werbe-Site für Brasilia!


Gruss
Donizetti
 :-D

Galore-Interview - Loneliest Guy

Antwort #1
Lohnt es sich denn insgesamt, diese Zeitschrift zu kaufen? Was kostet die?

Galore-Interview - Loneliest Guy

Antwort #2
Aber auch das hier ist Brasilia:



Ich weiß nicht so richtig, was von dieser Reißbrettstadt halten soll.
Zu steril und zwecksentfremdet, unwirklich? Zu viel Kunst um der Kunst Willen? Auf der anderen Seite wurde doch bewusst Wert auf die Einbeziehung der Natur gelegt. Viele Freiflächen, die Lösung vom Rechten Winkel. Statt dessen Kurven und organische Formen.

Der Architketur-Papst selbst dazu:           
„Brasília kann man lieben oder nicht, aber es ist etwas, das es noch nie gegeben hat. Darauf kommt es an. Auf das Glück, das die Überraschung in dir hervorruft. Das ist Architektur.“

Galore-Interview - Loneliest Guy

Antwort #3
Zitat

Ich weiß nicht so richtig, was von dieser Reißbrettstadt halten soll.
Zu steril und zwecksentfremdet, unwirklich? Zu viel Kunst um der Kunst Willen? Auf der anderen Seite wurde doch bewusst Wert auf die Einbeziehung der Natur gelegt. Viele Freiflächen, die Lösung vom Rechten Winkel. Statt dessen Kurven und organische Formen.

Der Architketur-Papst selbst dazu:           
„Brasília kann man lieben oder nicht, aber es ist etwas, das es noch nie gegeben hat. Darauf kommt es an. Auf das Glück, das die Überraschung in dir hervorruft. Das ist Architektur.“


Ja, Felis, alles schön und gut.
Aber vieleicht bin ich altmodisch. Architektur dient in meinen Augen in erster Linie den Menschen. Und Südamerika ist bunt und oft schief und verwinkelt und laut und die Bettwäsche hängt aus den Fenstern, weil sich (auch) die Leute beim Wäsche aufhängen unterhalten möchten. Es gibt Nischen und vieleicht etwas Müll und es gibt Kommunikation in Hinterhöfen auf engsten Raum.
Weisst du, ich bin ja öfters schon in London gewesen. Unter anderem auch im Barbican Center. Die Idee dieses Bauwerks war ansich gar nicht so schlecht. Menschen sollten dort wohnen und Kultur geniessen. Alles Dinge die ich mag. Unter anderem ist dort das sehr schöne und wirklich besuchenswerte Museum der Stadtgeschichte von London untergebracht.
Nun, da wollte ich hin.
Es lohnt sich wirklich und ich kann es nur wärmstens empfehlen...aber...!
1. Punkt: Mein Taxifahrer (es war ein echtes schwarzes Cap und die Fahrer müssen wirklich eine schwere Prüfung bestehen) kratzte sich erstmal und wusste nicht so Recht an welchen Punkt er mich denn am besten absetzen sollte.
2. Wir entschieden uns für die Barbican Center Informtation.
3. Information für einen Wohn- und Kulturkomplex????
4. Information gab mir auf den Weg, dass ich der roten oder gelben
Linie (kann mich nicht mehr so erinnern) auf den Boden folgen sollte. Das war einfach, wie am Flughafen und so ging ich und ging ich....
Ich ging durch den ganzen Komplex für Mensch und Kultur. Ich gint über Brücken, an Springbrunnen vorbei, an Türen die zu Wohnwaben führten, ich ging und machte dann irgendwann Fotos.
Und die waren traurig.
Gut, ich gebe es zu. Es war Ende Oktober/Anfang November 1995. (Bowie gab 3 Konzerte in der Wembley Arena). Es war zwischen 14 - 16 Uhr und ich sah keinen Menschen.
Nichts!
Njet
Niemand!
Es war ein ganz normaler Donnerstag.
Die Stadt war voll. Man kam nicht vor und zurück - aber hier war niemand!
Keine Kinder, keine älteren Menschen, niemand....noch nichteinmal eine Ratte!
Und die hätte ich fast erwartet.
Ich kam mir vor wie in einem Vakuum. Ich machte Fotos von Springbrunnen, von Brücken und Übergängen, von Grünflächen und ich kam mir vor wie der einsamste Mensch auf den Planeten.
6. Ich erreichte dieses schöne und freundliche Museum und ich war - allein! Oder so gut wie allein, 2 Menschen habe ich noch gesehen. Aber ansonsten war ich allein. Und ich dachte mir, warum?
Vieleicht weil es sonst niemand findet?
Vielleicht weil diese Architektur einfach abschreckend wirkt und Gott, ich fand sie kalt und am Reissbrett entworfen und kein bisschen lebenswert.
Es war unwirklich und genau so scheint mir Brasilia zu sein.
Es fehlt das Leben.
In diesem Sinne
gruss
Donizetti
PS.: Und seit heute verstehe ich "The Loneliest Guy". Ich kam mir genauso vor. Ich stand an einer Balustrade, war eigentlich ziemlich froh und gutgelaunt (bin ich immer in London) und sah alles und gleichzeitig - NICHTS!
GAR NICHTS!
PPS.: Solltet ihr das Museum mal besuchen dann bitte von der St.Paul's Cathedral aus. Da gibt es einen kleinen verwinkelten Weg in das Barbican hinein und da tobt auch der Bär.
;)

Galore-Interview - Loneliest Guy

Antwort #4
Zitat
Lohnt es sich denn insgesamt, diese Zeitschrift zu kaufen? Was kostet die?


Magazin lohnt sich m.E. absolut. Schon alleine wegen der wirklich guten Interviews mit Rick Rubin (der zwar Bowie nicht mag, aber ein sehr interessanter Mensch zu sein scheint und guter Musik Produzent ist) und Charlotte Roche, die ich auch sehr mag. Das Bowie Interview ist auch ganz nett, aber nichts Herausragendes. (Vor allem nicht, wenn man in den letzten Wochen/Monaten/Jahren unzählige andere Interviews mit ihm gelessen. Ein Mann - auch nicht Bowie - kann sich schließlich nicht in jedem Interviews neu erfinden.
Kosten: 4,90 €, also durchaus erschwinglich.

Galore-Interview - Loneliest Guy

Antwort #5
Puh, jetzt habe ich auch mal einen älteren Post ausgegraben ,aber was soll ich sage: bei mir hab ich das Magazin erstmal diese Woche im Einkaufszentrum gesichtet und es steht auch drauf "Ausgabe 1/2004". Stelle mir da zunächst mal die Frage, warum einige hier das schon eher in den Läden hatten, aber egal.

Ich hab's mir jedenfalls sofort geschnappt und den Einkaufswagen mit der kostbaren Fracht gehütet wie meinen Augapfel (es gab nämlich insgesamt nur 2 Ausgaben).

Habe auch gleich abends durchgeblättert und muss sagen, dass das Magazin insgesamt einen sehr kompetenten und seriösen Eindruck macht. Das Bowie-Interview habe ich natürlich sofort gelesen.

Die Sache mit Lonliest Guy fand ich auch ziemlich interessant. Da kann man mal sehen, was wir uns manchmal hier den Kopf zerbrechen wie er dies oder das gemeint hat und in Wirklichkeit ist der Song dann noch nicht einmal aus seiner Sicht geschrieben.

Für mich auch besonders interessant, was er über Robbie Williams gesagt hat (bemerkenswert, dass er den überhaupt kennt):

Zitat
Robbie Williams ist ein europäisches Phänomen. Der Mann ist in Amerika so gut wie unbekannt und wird es schwer haben, seinem europäischen Käfig zu entkommen, weil sein Einfühlungsvermögen so typisch europäisch ist. Ich habe ihn ein paar mal im Fernsehen gesehen und was er dort dargeboten hat, lässt sich überhaupt nicht auf das amerikanische Verständnis übertragen.... Das amerikanische Show-Verständnis basiert auf vorgetäuschtem Wissen. Die Leute lachen über Dinge, die sie vielleicht gar nicht verstehen, weil sie darauf trainiert sind. Sie werden große Probleme haben, Robbie Williams Humor zu verstehen. Er ist zweifellos ein guter Entertainer, aber seine Song'n'Dance Nummern sind nicht das, worauf die Kids hier momentan abfahren. Eminem ist hier das Maß aller Ding...


Naja, immerhin zollt er ihm eine gewisse Anerkennung was Robbie eigentlich schmeicheln sollte.

 
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