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Tomorrow belongs to those who can hear it coming
Thema: Beck "Guero" (816-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema
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Beck "Guero"

Beck is back
Neue Platte, weiße Suite und alter Glauben.



Der Aufzug
Noch immer hallt das Gelächter der bösen Buben in meinen Ohren. Bisweilen sehr ausgelassen ging es beim Interview mit den Queens of the Stone Age zu. Ich weiß, dass es ab jetzt etwas ruhiger werden würde. Während Josh Homme seine fünfte Dose Bier an diesem Nachmittag leert, bereite ich mich auf die "Audienz" bei seiner Indierock-Majestät Beck vor. Sie findet im gleichen Hotel in LA, nur 3 Stockwerke weiter oben statt.

Die lächelnde Dame von der Plattenfirma holt mich aus dem Konferenzraum ab. Dort hängen Journalisten aus der ganzen Welt ab, trinken Kaffee, tauschen Visitenkarten aus und bereiten sich auf ihr Interview vor - mehr oder weniger. Die Holländer und Schweden sind am freundlichsten, die Deutschen kennt man auf den ersten Blick und die VertreterInnen der ganz großen Medien wollen immer von einem wissen, "was der Typ da eigentlich für eine Musik macht".

Das hat etwas von der Atmosphäre kurz vor einer Schularbeit: Es wird kampfgelächelt, leichte Nervosität macht sich breit und alle kritzeln Zeichenhaufen auf Schummelzetteln.

Der Lift saust vom fünften in den achten Stock. Die lächelnde Dame von der Plattenfirma neben mir im Aufzug wirkt hinter ihrem Lächeln furchtbar gestresst. Kein Wunder. Sowohl Beck als auch QOTSA stehen am ersten von insgesamt 5 langen Interview-Tagen. Der Terminplan gleicht schon jetzt einem Chaos. Ich wurde nach Anfrage um einige "Slots" nach vorn geschoben, damit ich noch rechtzeitig meinen Flug zurück nach New York erwischen kann und also nicht als Autostopper durch den Midwesten gondeln muss... Die lächelnde Frau von der Plattenfirma lächelt mich für die Umstände, die ich ihr bereitet habe, eisern an. 
 
In der weißen Suite
Er lächet ebenfalls: Beck wirkt entspannt und gut gelaunt, als ich neben ihm Platz nehme.

Wir sprechen über seinen Status als Musiker innerhalb der Alternative Music Szene der 90er Jahre, über die Ironie in seiner Musik, die ihm nicht nur einmal zum Vorwurf gemacht wurde (Stichwort "postmoderne Beliebigkeit") und natürlich über das neue Album 'Guero'.

Der "Bacharach für Slacker" versucht auf seinem neuen Longlplayer erstmals, das auf mehrere Alben verteilte Puzzle seiner musikalischen Persönlichkeit zusammenzusetzen. Auf 'Guero' trifft man auf den Discoking von 'Midnight Vultures' (1999) ebenso wie auf den introspektiven, an der Liebe leidenden Chanteur von 'Seachange' (2002).

Das wieder unter der Produktionsaufsicht der Dustbrothers entstandene Werk kann auch als Beck's "Los Angeles Platte" eingestuft werden. Der schmächtige Blondschopf hat in die Songs zahlreiche Referenzen an seine Heimatstadt eingeflochten ('Qué Onda Guero', 'Earthquake Weather', 'Rental Car'). Auf der Soundebene wird die vordergründige Gelassenheit immer wieder durch elegische Ein- und explosive Ausbrüche gestört. Die z.T. mörderisch schwarzen Lyrics erzeugen eine zusätzliche Spannung, die den apokalyptischen Nerv dieser durch latente Erdbebengefahr in ihrer Existenz gefährdeten Stadt für meine Begriffe sehr gut trifft.
 
Alter Glaube
Da sind einige Kräfte, die sich reiben und um die Vorherrschaft kämpfen", meint Beck im Interview. Verwirrung stiftet die häufige Verwendung religiöser Phrasen und die Anrufung von Himmel, Gott, Hölle und Teufel auf 'Guero'. Nicht dass das etwa neu wäre (vgl. 'Devil's Haircut' auf 'Odelay'). Doch für jemanden, der sich zu einer Sekte bekennt, die ihren Mitgliedern über die Teilnahme an kostenintensiven Psychositzungen verspricht, sämtliche negative Energien zu eliminieren, beutelt es den lebenslangen Scientologen Beck Hansen auf 'Guero' gleich durch mehrere Atomkraftwerke schwarzer Energie.

Na, da wird sich Sektenstifter "Ron" wohl - ja wo auch immer (!) - umdrehen, denkt der Schelm in mir. Doch dann erinnere ich mich an die Beck-Geschichte, die ich für ein deutsches Popmagazin schreiben musste. Das Scientology-Outing platzte ausgerechnet in den Abgabetermin dieser Story und bereitete mir eine lange Nacht des (Selbst)Zweifels, die sich dann auch direkt in dieser Geschichte niedergeschlug.

Wie mit Beck's Outing schlussendlich umgehen, ist wohl jederfrau/manns persönliche Sache. Ich will hier auf alle Fälle nicht den Souveränen heraushängen lassen, der ich in dieser Angelegenheit einfach nicht bin. Vielleicht ist es die Nähe zu seiner Musik, die auch viel mit dem eigenen Aufwachsen (jaja in der späteren Phase) zu tun hat. Einfache Kunst/Künstler-Trennung ist hier bei mir jedenfalls nicht drin. Das überlass ich lieber altersklugen Zynikern, die sonst bei jeder sich bietenden Gelegenheit den inhaltlichen Substanzverlust von Popmusik bekritteln, um dann an andere Stelle Scientology als eine Hollywood/Lifestyle-Angelegenheit zu verharmlosen.

'Guero' ist zweifelsohne eine tolle Platte, doch trotz Zusammenführung seiner bisherigen Ansätze bleibt Herr Hansen auch weiterhin sein eigenes Rätsel.

Beck-Special
Den ganzen Dienstag über gibt es zum Album-Release ein großes Beck-Special auf FM4 zu hören.
 
Beck Special orf.at

Beck "Guero"

Antwort #1
der Auftritt bei Harald Schmidt hat mir auch sehr gefallen...


gruß,Z



Beck "Guero"

Antwort #4
Beck Diskography (Auszüge)

Mutations (1998)

"... a desolate wind turns shit to gold and blow my soul crazy",
singt Beck zu schmachtend schöner Melodie, das Ganze klingt wie ein Hippieschlager zur Weihnachtszeit '69. Auf "We Live Again", eines von vielen langsamen Stücken des neuen Albums "Mutations", folgt mit dem Bossa Nova "Tropicalia" das flotteste: Davor und danach zieht Beck alle Register seines Könnens. Grandioses Songwriting demonstriert er auf den ersten 10 Tracks, mit so viel Gefühl für Melodie, für harmonische Spannungsverläufe und zwingende Rhythmen, daß sich die vorgeblich beste Band der Welt eine dicke Scheibe abschneiden könnte. Aber der Vergleich zeigt schon, wie weit sich Beck hier von seinen schroffen Klangbasteleien entfernt hat. Da wippt auch beim musikalisch weniger verwöhnten Besuch das Knie.

Gezupfte akustische Gitarre, Kontrabass und Mundharmonika, Background-Chöre anstelle von Samples und Vibrato statt Verzerrer haben "Mutations" den Ruf eines Country-Albums eingebracht. Tatsächlich ist es über weite Strecken ein Bekenntnis zur Tradition, eine Hommage an Bob Dylan und vielleicht auch Jim Morrison. Spätestens aber mit "Static" zieht der Blues alle Stimmung zu Boden. Strophe und Refrain dehnen sich ins Endlose und plötzlich verliert die klassische Songstruktur all ihren Glanz. Da wippt das Knie nicht mehr, da runzelt die Stirn.

Der Rest ist dann eher experimentell, mein Besuch wirkt leicht desolat im Angesicht des Krachs. Doch mir summen "Lazy Flies" im Hirn, die machen mich ganz verrückt nach den Ohrwürmern und den lakonisch schönen Versen dieses Ausnahmealbums.

Midnight Vultures (1999)

Scharfkantige Bläser und ein funkig flotter Bass treiben "Sexx Laws" voran, ein kleines Orchester klimpert und zupft, zwischendurch ein Intermezzo mit Banjo und Steelguitar: Nur ein paar gut versteckte Breaks lassen ahnen, wer da unser sexuelles Handeln neu definieren will. Und Becks markante und hier noch deutlich zu erkennende Stimme natürlich, die behauptet, einem voll ausgewachsenen Mannsbild zu gehören ("I'am a full grown man").

Humor soll ja - neben dem Sex - auf Becks neuem Album "Midnite Vultures" (etwa: Geier der Nacht) eine große Rolle spielen. Musikalisch gehts vor allem um die amerikanischen Siebziger. Rauf und runter perlen die funkigen Bässe, stimmlich klettert BH mittels Falsetttechnik in höchste Höhen. Dem vom eigenen Dad gemeuchelten Marvin Gaye wird späte Ehrung zuteil, nebenbei kocht der Herr Hansen noch schnell Prince und Earth, Wind & Fire ab.

Auch dabei: Ein melodiearmer aber grooviger Hip Hop-Track unter Beteiligung der Dust Brothers ("Hollywood Freaks"). Ein mißglücktes Elektroexperiment zu einem traurigen Thema ("Get Real Paid") und ein, zwei typisch rauhe Beck-Folk-Rock-Songs.

Bei Track Nr. 9 angelangt, glauben wir auch, daß Beck seit zwei Jahren vor allem Rhythm'n'Blues und R. Kelly hört. "Beautiful Way" ist ein sehr gewöhnliches Liebeslied mit Strophe und Refrain, das jegliches überraschende Element vermissen läßt. Uuuuh, da schüttelts mich und das ist jetzt gar nicht mehr lustig.

Aber Humor ist, wenn man trotzdem lacht, und so ändert das alles nichts daran, daß Beck Hansen und seine Band für unnachahmliche Spielfreude und unerhörten melodischen Einfallsreichtum wie immer die Höchstpunktzahl einfahren.

Sea Change (2002)

Mittlerweile ist es ja zur Gewohnheit geworden. Eine neue Beck-Platte erscheint und man ist zunächst mal verstört. Wie meint er das jetzt? Doch nicht etwa ernst? Nun, bei "Sea Change" weiß man eines bereits nach wenigen Takten: Beck Hansen meint es verdammt ernst. Davon zeugt zuallererst seine Stimme. Voll Inbrunst und in beunruhigender Trägheit führt sie die Strophen von "The Golden Age" in einen U2-Refrain der "Joshua Tree"-Phase, der auch textlich nicht zur Party taugt: "The sun don't shine even when it's day".

Wie zu Beginn seiner Karriere scheint Beck wieder unbeschwert über die gute alte Klampfe zum Song zu finden. Zumindest lässt er Sample-Skurrilitäten oder dynamische Funk-Eskapaden so fern erscheinen, als hätte er sich nie mit ihnen abgegeben. Mutation, kommt es einem in den Sinn und tatsächlich kann Becks gleichnamiges Folk-Album als Anhaltspunkt für "Sea Change" herangezogen werden. Nur sind die "Tropicalia"-Nächte längst ausgetanzt und die "Bottles Of Blues" liegen in einem Scherbenhaufen vor der einsamen Hütte, aus der heute Becks Klagelieder heraus schallen.

Dass seine langjährige Freundin seit kurzem eigene Wege geht, passt da natürlich hervorragend ins zurecht gelegte Bild: Beck als der "Lonesome Rider", der sich auf der Country Road treiben lässt, einsam und allein. Dabei hatte der Gute schon 1994 "One Foot In The Grave", zumindest hieß so sein wenig verbreitetes Songwriter-Album auf K Records, auf dem er mit nichts als Gitarre, Bass, Percussions und einer Handvoll Kumpels rauhe Country- und Folk-Nummern hinrotzte. Wenn auch der jugendliche Übermut dieser Aufnahmen heute kompositorischem Geschick gewichen ist, die Country-Attitüde hat Beck auf "Sea Change" hinüber gerettet.

Ruhig und unaufdringlich rauschen die zwölf Songs einer nach dem anderen vorüber und entwickeln erst mit der Zeit erdrückendes Gewicht. Nigel Godrich, der bereits beim "Mutations"-Album die Produktion überwachte, hat Beck dabei erneut keinen unnötigen Ballast aufgebürdet. Häufiger als auf jenem Album werden aber zarte Akustikgitarren, Bassläufe und Glockenspiel von Streicher-Arrangements durchsetzt, wie etwa auf "Paper Tiger", einem reduzierten Stolper-Beat à la Tom Waits, zu dem Beck hingebungsvoll raunt. Beinahe altersweise klingt er dagegen im besinnlichen "Guess I'm Doing Fine".

Die meist von Missverständnissen und Verlust handelnden Songs arbeiten alle auf den stets ergreifenden Refrain hin. Dazu liefert Beck wieder einmal Hammerzeilen: "It's nothing that I - haven't seen before - but it still kills me - like it did before" (in "End Of The Day"), fasst die Trauer über eine zerbrochene Beziehung zusammen. Nicht minder resignativ brummt Beck im vierten Stück: "Lonsesome tears - I can't cry them anymore - I can't think of what they're for".

"Sea Change" fordert weit deutlicher als Becks bisherige Werke dazu auf, zuzuhören. In einer Zeit, in der Zu-spät-Geborene einem 70-jährigen Johnny Cash von den Lippen lesen, kommt sein Album vielleicht genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn wenn man eines auf "Sea Change" überhaupt nicht vermisst, so sind das "two turntables and a microphone".

Beck "Guero"

Antwort #5
Zitat

ich dachte ja erst, es ist ein Aprilscherz....

gruß,Z


aber zicky, mir ist die gesinnung eines menschen doch wurscht.
trotzdem, lieben dank für den interessanten weil ausführlichen artikel!

sodala, Beck and band explore the new songs on his latest release, Guero,
for Morning Becomes Eclectic Studio Session


Beck "Guero"

Antwort #7
na bitte sehr, liebes wolfferl

ich hätte da einen tipp:
kennen sie da ein gewisses zwanzig minütiges liedchen, dass ein gewisser herr hansen für eine gewisse präsentation einer kollektion eines wohlbekannten modehauses geschrieben und eingespielt hat?

wenns brav fragen, schick ich ihnen einen gewissen link  :razz:

Beck "Guero"

Antwort #8
dafür würd ich sogar an ihren "titties sucken" wenns gefällt ;-)

Beck "Guero"

Antwort #9
wenns mit einem stream zufrieden sind.... dann überspringens den nächsten absatz

wenns einen rip davon brauchen, sagen sies mir früh genug, denn meine internet connection ist leider, leider ein wenig schlaftrunken... und es sind ja doch raue datenmengen...

ich warne sie noch einmal eindringlich..... es ist kein lied im klassischen sinne... es ist eine art.... begleitmusik für eine modenschau... er singt nicht mal richtig... wenn man von ein paar hey's absieht...

http://fashion.dior.com/homme/

folgen sie dem link... klicken sie auf "enter dior homme" und dann lassen sie das pop-up laden... sie finden danach, wenn sie die seite ein wenig laufen lassen, links unten im popup ein menü... klicken sie auf "for your headphones"

im übrigen ist dort nicht nur die schöpfung becks zu hören, sondern auch genau so lange stücke von razorlight und phoenix... alles leute die mit hedi slimane zusammenarbeiten...

enjoy... auch wenns sehr.... minimal ist... es ist halt was, womit man vor beck-fans angeben kann  :-D

Beck "Guero"

Antwort #10
werde ich mir heute abend zu gemüte führen (aufzeichnen kann ich den stream).
man dankt!

 :-)

Beck "Guero"

Antwort #11
ich bitte sie... nichts zu danken  :P

 
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