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Tomorrow belongs to those who can hear it coming
Thema: spam (648-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema
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hoofe, ihr seid wegen dem titel nich erschreckt. weiß nich, wie ich det thema sonst nennen soll, es is eigentlich nur sowat wie seele-ausschütten unter gleichgesinnten, versteht?!
wo soll ich also anfangen?...

ich glaub, das hab ich hier schon mal irgendwo erzählt, dass ich auf david bowies musik durch einen jungen mann gestoßen bin, mehr oder weniger.
das war folgendermaßen:
an einem schönen schultag entdeckte ich in meinen schließfachraum ein wunderhübsches paket zeitung. das kam mir wie gerufen, da ich sowieso welche für kunst brauchte. also eine zeitung geschnappt, wen erblickte ich? den werten herrn. artikelinhalt: sein damals neues album "reality". schön, dachte ich, JETZT hörst du dir seine musik aba wirklich mal an. aba jay-lein war wohl doch nich sooo angetan von dem bild, eine cd kam jedenfalls nie in ihre hände. auch nich, als sie plötzlich den jungen mann sah - flüchtig, für 2 sekunden. aba jay-lein ist eine gute beobachterin und erkannte bowies gesicht aus dem artikel in ihm wieder, trotz der kurzen zeit. wie es nun mal so bei mir ist, beobachte ich sehr gern menschen, und die, die mir auffallen, an denen ich etwas besonderes finde, die sehe ich besonders gern, weil allein ihr auftreten ein glücksgefühl in mir aufsteigen lässt. den jungen mann, ich nenn ihn mal rene, sah ich das gesamte jahr lang nicht mehr - aber ich merkte mir sein gesicht, vielleicht auch deswegen, weil der bowie-artikel die ganze zeit hübsch gefaltet in meinem mathebuch gepresst wurde.
am ende des schuljahres standen die projekttage an. die eigentliche lehrerin für mein projekt erkrankte. und mein gott, was platzte ich fast aus allen nähten, als plötzlich rene in der tür stand und er uns erklärte, dass er der vertreter sein würde. ich mein - da stand bowie2 in der tür. und genau in dem moment fiel mir erst wieder ein, dass ich die musik doch hatte hören wollen.
ich verlebte drei wunderbare projekttage mit diesem erstaunlichen rene, der damals übrigens 11.klasse war. nach den sommerferien brannte ich natürlich darauf, ihn wiederzusehen und endlich kontakt zu ihm zu kriegen, was ich auch schaffte. und  - ich lieh mir die ersten beiden bowie-alben meines lebens aus der bibo aus (earthling und hours).
ich war völlig fasziniert, ich liebte diese musik sofort. und in dieser musik tauchte immer wieder rene auf, mal tanzend (später fand ich heraus, dass er jegliche art von sport und tanzen hasst -g-), mal einfach nur lächelnd. durch ihn verstand ich bo's musik. durch ihn lebte sie. der anfang des schuljahres mit rene war die schönste zeit überhaupt. ab dezember wurde es furchtbar. inzwischen hatte ich genug alben von bowie gehört, um ihn einschätzen zu können - und mich schließlich zum fan erklären zu können (das 1. mal in meinem leben). der witz an der ganzen sache ist, dass ich immer dann, wenn irgendwas neues zwischen mir und rene geschah, ich auch eine neue platte von bowie hörte - daraus konnte sich ja nichts anderes ergeben, als dass die beiden unvermeidlich miteinander verbunden wurden. und obwohl das mit rene immer schlimmer wurde, liebte ich bowie und seine musik immer mehr. es war nicht mehr so, dass ich seine musik durch die schönen ereigenisse mit rene lebte - sondern dass seine musik das schöne ereignis selbst wurde durch die deprimierenden ereignisse mit rene.
das blieb das gesamte restschuljahr so - bo's musik war praktisch die verarbeitungsmusik für mich. und ich frage mich manchmal, ob ich seine musik vielleicht nur wegen rene geliebt habe/liebe.!
der junge mann hat seine 12te beendet, wir haben nichts mehr miteinander zu tun und bald geht er weg (soll heißen, er wandert aus), seitdem mir das so richtig bewusst ist, seitdem ist bowie plötzlich so weit weg... sein dasein, seine bilder, sein gesicht - nichts mehr ist euphorisierend.

das mit rene hab ich verarbeitet, es ist abgeschlossen - und ich glaub, genau das ist der punkt. da ist einfach keine illusion mehr, kein wunschtraum, nichts.
aber rene war der grundstein. er wird nie verschwinden, dann müsste ich bo's musik aufgeben. und das geht nicht.

sie sind beide in meinem spiel abhängig voneinander.

wenn ich bo's musik früher gehört hab, war ich glücklich, selbst wenn ich traurig war, alles war gut oder wurde gut.

wenn ich jetzt bo's musik höre, bin ich sowohl traurig als auch fröhlich. TRaurig weil die erinnerungen an nrene hervorgerufen werden und damit das bewusstsein, dass es vorbei ist, fröhlich, weil es schöne erheiternde erinnerungen sind.
fröhlich, weil mich bo's musik -wenn man es unabhängig von rene betrachtet- immer aufheitert, traurig, weil die musik ohne rene nicht lebt.

es ist ein fluch. selbst wenn ich mich theoretisch, praktisch, sachlich,... von rene verabschiedet hab, werd ich ihn nie loswerden können in meinem inneren. äußerlich ja, im kopf ja, im herzen ja - in bo's musik nein.
und trotzdem oder gerade deswegen ist bo so weit entfernt.

J.

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Antwort #1
Oh je! Das hört sich ja nach einem besonders schweren Fall von Liebeskummer an. Sowas ist immer schwer. Egal wie alt man ist.

Bei dir ist es jetzt eben so, dass dieser Rene der Schlüssel für dich war, um Bowie-Musik zu liebn und das bedeutet, dass beides irgendwie unweigerlich miteinander verbunden zu sein scheint.

Aber glaub mir, dass wird sich ändern. Man gewinnt im Laufe der Zeit einfach unendlich viele Eindrücke und alle für sich sind einzigartig.

Für mich ist Bowie ein permanenter Lebensbegleiter und es gibt Songs, Alben oder Perioden, die ich mit bestimmten Lebensabschnitten in Verbindung bringe. Dadurch, dass ich Bowie aber durchgehend durch alle Lebensabschnitte höre, verbinde ich mich einigen Lieder eben nicht nur ein bestimmtes Bild sondern irgendwie mehrere und ich denke, dass wird dir auch bald so gehen.

Wenn du Bowies Musik wirklich tief aus deinem inneren magst und nicht nur deshalb, weil Rene sie mochte, dann wird es dir sicherlich bald genauso gehen.

Das hört sich jetzt alles irgendwie sehr weise und mütterlich an, aber es stimmt schon irgendwie.

Kopf hoch!

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Antwort #2
Auweh!!

Ich kann dir wirklich nur eines empfehlen, denke an die schöne Zeit und behalte die positiven Erinnerungen im Vordergrund, dann kannst du Bowie mit einem lächelnden Gesicht hören!

j.

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Antwort #3
ich weiß nich, ob man das so direkt als liebeskummer bezeichnen kann. ich denke, das was am meisten zählt, ist einfach, dass der größte teil, der bowies musik für mich ausgemacht hat, - nämlich rene-  erst einmal von der bildfläche verschwunden ist.

hmm... und bei mir ist es bisher immer so gewesen, dass eine bestimmte musik, ein song, eine band... immer nur mit einem bestimmten ereignis verbunden war/ist und dieses ereignis nicht durch andere ersetzt wurde/wird.
und in bowies musik kommt auch nicht nur rene vor, es gibt da schon einige stellen, die mit was anderem zus-hängen.

je länger ich darüber nachdenke, war rene auch ne art fluchtperson für mich (hängt wieda mit was andrem zusammen) - und jetz wo er weg is hab ich sozusagen keinen schutz mehr. und damit bietet bowies musik auch keinen schutz mehr für mich... nun ja, ...

aba danke für eure aufmunterungen, ham mir echt geholfen  :blume:

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Antwort #4
ich denke das du vielleicht in rene eine art vaterfigur gesehn hast!
kann das sein??

j.

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Antwort #5
Hallo J,
das klingt ja wirklich alles ziemlich schlimm. Auch wenn ich weiss, dass das nur ein schwacher Trost ist: Ich glaube, dass viele hier irgendwann schon mal ganz ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Dein Bericht hat mich jedenfalls sehr berührt, und manches hat mich sogar an die Zeit erinnert, in der ich angefangen habe, Bowie zu hören. Bei mir war diese Phase allerdings nicht verbunden mit dem Beginn einer Beziehung, sondern ich war im Gegenteil gerade damit beschäftigt, Abstand zu einem Menschen zu gewinnen, der bis dato eine sehr wichtige Rolle in meinem Leben gespielt hatte. Und da habe ich mich selbstkritisch gefragt, ob ich nicht nur irgendeinen Ersatz bzw. eine Ablenkung suche... und ob ich vielleicht Bowie nicht mehr "brauche", wenn ich über die Trennung hinweg bin.
Zum Glück war es aber nicht so, meine Begeisterung für Bowie ist geblieben, unabhängig vom äußeren Anlass, der mein Interesse damals geweckt haben mag.

Ich hoffe, dass Du irgendwann auch soweit bist, dass Du Bowie einfach genießen kannst, ohne dadurch zugleich "alte Wunden" (die ja bei Dir im Moment noch ziemlich frisch sind, das ist ja das Problem) wieder aufgerissen werden.

Alles Gute  :blume:
miss peculiar

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Antwort #6
Zitat

je länger ich darüber nachdenke, war rene auch ne art fluchtperson für mich (hängt wieda mit was andrem zusammen) - und jetz wo er weg is hab ich sozusagen keinen schutz mehr. und damit bietet bowies musik auch keinen schutz mehr für mich... nun ja, ...


Dann dreh den Spieß doch einfach mal um. Rene ist weg, aber die Bowie-Musik ist nun dein Fluchtweg. Ich kann dir aus Erfahrung sagen, dass die Flucht in die Musik (egal in welche auch immer) zuweilen sehr heilsam sein kann.

DU SCHAFFST ES! Augen zu und durch!

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Antwort #7
hm, dasd mit rene is scho okay, das is abgeschlossen. bowie hör ich zurzeit aba auch net mehr. nich so, dass ich angst davor hab oder so. ich würd ihn jederzeit hören; ich hab heut auh mit meiner ma drüber geredet (bzw sie hat mich gefragt, ob ich noch an ihn denke).
vaterfigur wohl nich, eher bruder. weil ich schon immer einen älteren bruder wollte.

ich hab eut außerdem den anfang von der rtl-show gesehn und david bowie - mein herz ging in flammen auf.
abschließend kann ich also sagen, dass ich auf dem besten weg der heilung bin.  :)
ich sag mal so: es zieht mich nich mehr bis in die tiefste tiefe. aber irgendwo da in mir drinnen fängt es doch an zu stechen, wenn ich bo sehe - und dabei denke ich dann gar nicht mehr an rene.
das läuft alles nur noch im unterbewusstsein ab. und das is okay.

danke für eure beiträge, find ich echt schön, dass ihr euch die mühe gemacht habt, das alles zu lesen.

g, J.

 
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