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Tomorrow belongs to those who can hear it coming
Thema: Hans Joachim Roedelius - Kluster/Cluster/Qluster (3632-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema
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Hans Joachim Roedelius - Kluster/Cluster/Qluster

 ...oder „Kluster“, wie sie in der Frühzeit hießen… Pioniere des Krautrocks und der elektronischen Musik...

Zum ersten Mal seit vielen Jahren gaben sich Hans Joachim Roedelius und Dieter Moebius die Ehre und traten unter dem Namen "Cluster" in der Öffentlichkeit auf…

Nun weiss vielleicht nicht jeder, um wen es sich handelt… aber wir können davon ausgehen, dass sie auch zu den Beeinflussern des Bo zählen. 

Zitat
Dieter Moebius, Hans-Joachim Roedelius, and Conrad Schnitzler formed Kluster in 1969…

…When Schnitzler left the group, Roedelius and Moebius became Cluster. They were joined by Conny Plank on their debut self-titled release in 1971.
They continued as a duo thereafter but worked extensively with producer/engineer Conny Plank until his death in 1987….

…In 1973 the duo moved to the rural village of Forst, West Germany to build their own studio. There Cluster and Neu! co-founder Michael Rother recorded two albums under the name Harmonia: Musik Von Harmonia in 1974 and Deluxe in 1975…

After the release of the first Harmonia album and a period on tour Michael Rother returned to working with Klaus Dinger and an expanded Neu! lineup in order to complete his contractual obligations.
In his absence Cluster went back to work as a duo, releasing Zuckerzeit later in 1974…..

After the release of Deluxe Harmonia they went back to the studio with a new, fourth member: Brian Eno. Eno had been very impressed with both Musik von Harmonia and Zukerzeit and had joined Harmonia on tour…

The period from 1976 - 1979 is often regarded as Cluster's most productive, with the four albums released during those four years receiving the most critical acclaim of any of Cluster's works.…

In 1977 the duo reunited with Brian Eno, releasing the even softer Cluster & Eno. Guest musicians on the album included Can bassist Holger Czukay and Asmus Tietchens on synthesizer….

mehr:  http://en.wikipedia.org/wiki/Cluster_(band


Das Konzert fand im Berliner „Ballhaus Naunyn“ statt… im Rahmen des „interface 2007“. 


http://www.ballhausnaunyn.de/de/interface.html

Am Anfang gab es Reden der Veranstalter und Getränke wie zu einer Vernissage. Denn es wurde sogleich die ganze Veranstaltungsreihe "interface 2007" eröffnet.
Gegen 21:15 begab man sich in den bisher mit einem schwarzen Vorhang abgeteilten Raum, wo auf der Bühne diverse Gerätschaften aufgebaut waren…  -- aber eigentlich war's keine große Materialschlacht.



Um 21:45 endlich betraten die beiden Herren die Bühne. Und was sie dann geboten haben, ist schon schwer zu beschreiben - aber gut.
Am besten seht Ihr Euch die Snippets an -  obwohl sich die wahre Schönheit dieser Musik erst erschließt, wenn man mindestens 10 Minuten am Stück gelauscht hat...

Sie spielten zunächst etwa 30 Minuten – wobei man ja gar nicht so genau gesehen hat, was sie eigebtlich gemacht haben... an den kleinen Reglerchen gedreht? Sehr statische Veranstaltung :D, aber das stört uns nicht... Die Musik klingt gut...rein instrumentell, ohne herkömmliche Songstrukturen, wabernde Synthesizer-Klänge mit  - laaangen  - „Spannungsbögen", weshalb man eben eigentlich länger zuhören muss... ...wer Eno und ähnliches kennt, der weiß, was ich meine…  :)



Ein paar kurze Videosnippets
  (0,9MB)
    (0,8MB)
    (1,4MB)

Ein Zusammenschnitt von ein paar Audioaufnahmen:
  (5,6MB)

Das Venue war nicht sehr praktisch… denn es erwies sich die Nähe zur Bar  als sehr störend, weil die feinen Sounds dauernd durch Flaschengeklimper beeinträchtigt wurden.
Erst in der Pause wurde die Bar endlich abgedunkelt und ruhiggestellt.

Anschließend gab’s dann noch einmal etwa ein schönes, fettes langes Instrumental.
Das Publikum, sehr begeistert, wollte dann eine Zugabe… aber da entschuldigten sich die Herren „sie könnten ja nichts anderes mehr“ (soweit ich das verstanden habe...). Moebius verschwand dann und ging rauchen.
Roedelius machte noch eine Ankündigung für das „Harmonia“-Konzert am 27.11.07  im Haus der Kulturen der Welt in Berlin – da werde ich wohl auch hingehen – und gab dann doch noch auf Bitten des Publikums recht gut gelaunt eine Zugabe… u.a. eine sehr verfremdete Version von Brian Enos „By this river“, die dann in fürchterlicher Tanzmusik endete :D  ...und, für die Bo-fans unter uns, ganz am Ende legte er noch Bowies „Thursday’s Child“ auf… allerdings unverfremdet (deshalb gibt's jetzt auch kein Audio davon). 

Brian Eno’s „by this river“ – arg verlangsamt
  (2,9MB)

btw… Roedelius ist Jahrgang 1934 (und hat als Kind in UFA-Filmen mitgespielt :lach: )  und Moebius immerhin 1944. Also, soll mal einer sagen, unser Bo wäre (zu) alt…!




http://www.myspace.com/theonlyclusterthatmatters
http://www.myspace.com/roedelius
http://www.dietermoebius.de/
http://www.roedelius.com/
http://en.wikipedia.org/wiki/Kluster

http://www.myspace.com/harmoniamusic 
http://www.myspace.com/neu1 
http://www.michaelrother.de/de/

Gruß, Z

[size=0px][link editiert zur Wiederherstellung der Sichtbarkeit des Posts][/size]

Hans Joachim Roedelius - Kluster/Cluster/Qluster

Antwort #1
schöner beitrag zicky, danke.
nur leider kann ich mit der musk überhaupt nix anfangen! :(

j.

Hans Joachim Roedelius - Kluster/Cluster/Qluster

Antwort #2
Ach, die Musik geht schon klar. Jetzt nicht so für den alltäglichen Gebrauch, aber ich würds nehmen, wenn ich ein Science Center eröffnen würde oder auf die Idee kommen würde zu meditieren :D

Hans Joachim Roedelius - Kluster/Cluster/Qluster

Antwort #3
Cluster haben mit Brian Eno großartige Musik aufgenommen.
Freut mich, das die wieder da sind.

Gruß
Björn

Hans Joachim Roedelius - Kluster/Cluster/Qluster

Antwort #4
Der erste Teil von Brian Eno’s „by this river“ gefällt mir richtig gut.  :)

Die anderen Sachen sind mir doch ein wenig zu elektronisch,
müsste man vielleicht mehr davon hören, um das wirklich beurteilen zu können.

Hans Joachim Roedelius - Kluster/Cluster/Qluster

Antwort #5
"HARMONIA" - Berlin, 27.11.2007

Da es doch recht gut hier hin passt... Hier mein Post zum Konzert von "Harmonia" am Dienstag! :)
Denn auch diese Formation besteht aus den beiden Herren von "Cluster" (Hans Joachim Roedelius und Dieter Moebius) - mit noch zusätzlicher Unterstützung von Michael Rother, vormals "Kraftwerk" und "Neu!".

Weil ich jetzt faul bin und es sehr spät ist... und der Schnitt des kleinen Videos eigentlich, dachte ich, um 21.00 fertig sein sollte  :lach:  schreib ich jetzt nicht soviel.
- zumal es dem oben beschriebenen Abend mit "Cluster" nicht unähnlich gewesen ist - wenn auch vielleicht etwas "rockiger", also mit mehr drums  und E-Gitarre.

Lassen wir noch das Programmheft der "Worldtronics" sprechen, denn es war das Eröffnungskonzert für diese Veranstaltung:



Anfangs wurde "Harmonia" noch zusätzlich begleitet vom "Chor der Kulturen der Welt", wobei ich noch nicht weiß, wie mir der Teil mit dem lauten Solosänger gefällt.... :? 
Das ganze fand auch statt im "Haus der Kulturen der Welt" - dem Berlin-Touristen besser bekannt als "Schwangere Auster" - und dies war denn doch eine professionellere Atmosphäre als beim Cluster-Konzert neulich.

...und hier ist das Video, das mich um den Schlaf brachte: :)
- zusammengeschnipselt aus meinen Snippets des Abends!
(auch wenn es natürlich Sünde ist, eine solche Musik mit diesen langen Spannungsbögen in kleine Snippets zu zersägen... :oops:)

[youtube]http://youtube.com/watch?v=gbN_bMZbzS4[/youtube]

und noch ein paar pix:


(mit Chor)







Gruß, Z

Links:
http://profile.myspace.com/worldtronics
www.hkw.de
+ ...siehe obigen "Cluster"-Post!  ;)

Hans Joachim Roedelius - Kluster/Cluster/Qluster

Antwort #6
Danke für den Bericht und das Video, wegen dem Du die Nacht gearbeitet hast.  :D

Hans Joachim Roedelius - Kluster/Cluster/Qluster

Antwort #7
[size=0px]Denke mal, das ist hier in diesem THread am besten aufgehoben… [/size]




„More Ohr Less“ in Lunz am See

Am vergangenen Wochenend verschlug es mich ins Österreichische Lunz am See, wo jedes Jahr das „More Ohr Less“-Festival stattfindet.



Das Festival ist klein und fein und  man kann eine Menge ungewöhnlicher, bisweilen auch gewagter Musik hören.

Unschlagbar ist die Stimmung im wunderschönen und recht abgelegenen 1800-Seelen-Ort Lunz am See, wenn das Festival einfällt. Der Ort ist so überschaubar, dass sich Aktive und Gäste fast zwangsläufig ständig begegnen und ganz unkompliziert ins Gespräch kommen können. Gern findet man sich abends nach der Show noch im größten Gasthof des Ortes zu Getränk und Tratsch ein.

Tagsüber kann man, sofern man nicht an einem (spontan) anberaumten „Workshop“ teilnimmt, den touristischen Freuden des Ortes frönen – wandern, schwimmen, Bootfahren, gut Essen, das Heimatmuseum… um dann abends sich zur idyllisch gelegenen Seebühne zu begeben.




Die Seebühne ist ein eigenwilliges Konstrukt, Tagsüber gehört sie zum Freibad und hat auch ein eher unelegantes Beton-und Plastik-Design. Integriert ist eine eigentümliche klappbare Dachkonstruktion über dem Zuschauerraum, die vor Regen schützt.
Aber die Lage der Seebühne  mit dem Blick auf den See ist natürlich phantastisch.

Sehr viele Zuschauer passen eigentlich nicht darauf, aber das fördert nur die familiäre Atmosphäre des Festivals. Sollten allerdings mal richtig viele Tickets verkauft werden, gäb’s wohl ein Problem…. 

Initiator des Festivals ist der Elektromusik-Pionier  Hans Joachim Roedelius[/i]
- und gewissermaßen ist das Festival eine Art Familienunternehmung der Familie Roedelius




Das Wetter
Das Motto des diesjährigen Festivals war „Zauber“. Und fast möchte man meinen, dass man die finsteren Mächte besser hätte ruhen lassen sollen…. :razz:
Tagsüber war es heiß und abends drohte stets das Unwetter…. Am ersten Tag brach es so früh über Lunz herein, dass das gesamte Programm gleich in den Gasthof verlegt wurde. Am zweiten Abend ging alles gut und die Veranstaltung konnte wie geplant auf der Seebühne stattfinden. Am dritten Abend allerdings begann das Programm auch wie geplant auf der Seebühne, doch begann es bereits bald zu regnen… was uns noch nicht arg beunruhigte – sowohl Bühne wie Zuschauer sind unter Dach… Aber just als der Zauberkünstler mit dem Zaubern anfing kannten die himmlischen Mächte kein Halten mehr…. 8O
Die Veranstaltung musste abgebrochen und alles technische Gerät abgeräumt werden, während Gäste und Künstler in allen verfügbaren Automobilien und diese zum Teil sehr überladend, zum Gasthof flüchteten, wo es dann noch ein sehr netter Abend wurde….



Das Programm
In diesem Jahr gab es folgendes zu sehen und zu hören:

Hotel Palindrone[/i] 
- Folkmusic zwischen Jodeln und Beatbox


http://www.hotelpalindrone.com/
Das gefiel mir recht  gut und ich erwarb sogar eine CD…

Hier zwei Videos, zwar nicht aus Lunz, aber die einen ganz guten Eindruck vermitteln:





Cantlon[/i]     
- Rekonstruktion keltischer Musik anhand von Instrumentenfunden.


http://www.albinpaulus.folx.org/eisenzeitensemble



Clara Luzia und Band [/i]     
 - dies war wohl der „mainstreamigste“ Teil des Festivals, also, richtige "Popmusik". Hat  mir aber  gut gefallen, dass ich auch eine CD erwarb.


[size=0px](die große Bassbox ist bereits regengeschützt...)[/size]
http://www.claraluzia.com/

Weiter unten ein Video aus Lunz, welches auch einen gewissen Bowiebezug hat…*



Dorit Chrysler [/i]   
– Die Dame mit dem Theremin, das sie perfekt beherrscht. 

 
http://www.doritchrysler.com/



Wolff Baron von Keyserlingk  [/i]     
- Zauberer mit Gemüt. (zauberte auch noch tapfer weiter, als der Sturm drohte, das Zeltdach der Bühne wegzublasen…
http://www.magicbaron.de/


Herr Roedelius beschirmt den Baron


Doch droht das Zelt wegzufliegen…


Und hier wurde die Bühne fluchtartig verlassen und alles abgebaut.




Arnold Kasar [/i]     
 - Piano und Gesang. 
…musste dann leider seinen Auftritt aufgrund des Unwetters in den Gasthof verlegen…

http://www.myspace.com/kasarmusic
www.kasarmusic.de





Eine Performance von Elisa Faires[/i]  mit Gesang gab’s am nächsten Tag am anderen See-Ufer.



http://soundcloud.com/elisa-faires




Und natürlich der Meister Roedelius selbst trat mehrfach in Erscheinung  und spielte u.a. mit:


Chandra Shukla[/i]      - Sitar, Elektronisches
http://www.discogs.com/artist/Chandra+Shukla
http://erototoxdecodings.com/artists/xambuca/


Clementine Gasser [/i]      - Cello
http://www.clementine-gasser.com/


...und den Elektromusikern:


Tim Story [/i] 
http://www.timstory.com/


Christopher James Chaplin[/i]      [size=0px](jaja…psst…  Sohn von….)[/size]
http://christopherjchaplin.com/


Stefan Schneider  [/i]     
http://www.laut.de/To-Rococo-Rot 
http://www.myspace.com/kreidlerde



Im Gasthof, Chandra Shukla und Elisa Faires


Tim Story,  Roedelius, Clementine Gasser


Christopher Chaplin, Roedelius, Stefan Schneider



----------------------------------------------------------------------
Veranstaltungstip!

Chandra Shukla und Elisa Faires sind am nächsten Montag in Berlin und spielen im „Madame Claude“. Da geh ich natürlich hin! :)
http://madameclaude.de/
http://www.facebook.com/MadameClaudeBerlin
http://www.lastfm.de/event/3339877+Attilio+Novellino+at+Madame+Claude+on+13+August+2012
-----------------------------------------------------------------------



Show

Außerdem wurde am zweiten Abend auch was  ausschließlich für’s Auge geboten: 
Einen ferngesteuerten Holzschwan auf dem See, eine Schwimmerin mit nixenartiger „Monoflosse“, ein Ballet am Ufer, und schließlich eine Tänzerin im Zorb (großer durchsichtiger begehbarer Ball), die von unsichtbaren Schwimmern über den See bewegt wurde…
 


Das schöne an so einem kleinen Festival ist, dass man zuvor in der Pause auf dem Weg zum Fressstand sehen konnte, wie besagter Zorb noch schlaff im Gras lag und gerade aufgeblasen wurde :razz:
(Klein Bo will jetzt auch so was haben)



Auch Zanugäste gab’s vom See aus…


Und am Bühnenrand brennt ein Feuer.



Idyllisches

Der Ort Lunz ist ja ganz idyllisch gelegen…







wald



Und ein finsteres Schloss gibt’s am anderen Ende des Sees…






Links:

http://roedelius.com/
http://en.wikipedia.org/wiki/Hans-Joachim_Roedelius
http://www.zeit.de/kultur/musik/2011-10/hans-joachim-roedelius
http://www.rp-online.de/region-duesseldorf/duesseldorf/nachrichten/kultur/kraftwerk-mag-ich-nicht-1.2706817
http://lunz.at/

Videos aus früheren Jahren:
http://www.more-ohr-less.at/
http://www.more-ohr-less.at/archiv


Zeitungsartikel für’s  Festival:
http://derstandard.at/1342948109506/More-Ohr-Less-Elektronische-Improvisationen-in-Lunz-am-See

http://www.mica.at/magazin/jazz-improvisierte-musik/artikel-berichte/more-ohr-less-sommerakademie-mit-abstraktion




*Für die Bowisten unter uns…

Dieser  Song von Clara Luzia lässt keine Frage offen.  (live aus Lunz 2012)

[ohne alten Einbettungscode – auch das einsetzen des Links in den alten Code funzt leider nicht]

Und, guckt mal, was es in Ösiland Feines gibt:

 
Herrn Powi hätt’s bestimmt auch gefallen  :razz:
Da könnte er endlich mal hübsch ausspannen und in netter unhysterischer Gesellschaft frei von kommerziellen Zwängen seinen etwas entlegeneren, mainstreamunkompatiblen musikalischen Vorlieben frönen.




Lopes
PS… in unserer Pension gab es einen riesigen Hasen, der sich ausnehmend gut mit der wohlgenährten Katze vertrug… 


Oder war’s ein verunfalltes Lope? Jedenfalls unweit der Pension am See schwamm ein Geweih im Wasser.






Epilog mit Bahn

Ein Hoch auf die österreichische Eisenbahn! Pünktlich, sauber, schnell, technisch einwandfrei, nettes Personal!  Alles wunderbar geklappt auf der Rückfahrt, obwohl ich die Luft anhielt wegen mehrerer kurzer Umstiegszeiten… Aber, kein Problem. Ob nun nur 4 oder 7 Minuten. Alles bestens geklappt.
 
Doch kaum die Grenze nach Deutschland überschritten, kam wieder das volle Programm: Verspätung, Triebwagen kaputt, Zug total verdreckt,  nettes (aber hilfloses) Personal, kaputte Klimaanlage, dass man den Wagen wechseln musste…  (*nerv*)


Erst hab ich ja sogar frohlockt, als ich in den Zug stieg  - ein ICE, der zwischen Nürnberg und Berlin direkt verkehrt -  denn dieser erwies sich keinesfalls als normaler ICE irgendeiner mir bekannten Baureihe. Die Nachfrage bei einem Techniker ergab, dass es sich bei diesem Zug um alte Wagen des ehemaligen Luxuszuges „Metropolitan“ handelt, der vor Jahren zwischen Hamburg und Köln verkehrte, aber  - wie sollte es auch anders sein – sich nicht rentiert habe und dann eingestellt wurde. Es ist ein hübscher Zug, sieht gut aus, schön holzig und wenig plastikhaft, wenn auch Steckdosen und Bildschirmanzeigen fehlen.
Nur, finde ich, wenn man so einen alten schönen Zug aus dem Depot holt, dann hätte man ihn auch mal vorher reinigen lassen und technisch überprüfen können. Die Krümel auf dem Sitz verzeihe ich ja, wer weiß, wer da vorher saß, aber, was ich nicht verzeihe, dass sind die sicher mehrjährigen Ablagerungen von Klebstaub an in Ecken und Lüftungsritzen  und den total versauten Teppichboden.




Gruß, Z
[size=0px][wird eventuell noch um ein paar Links erweitert/editiert...][/size]


PS…
höhö… welch ein passender Zufall, dass es in Lunz eine Forschungsstation namens „Wassercluster“ gibt.




PPS….  Ärks.. wo ist denn mein „Cluster“-Bericht  auf dieser Seite hingekommen? Ein Link, der sich nachträglich als faul entpuppt? Ich seh jedenfalls nur was in der „Zitat“-Ansicht. Sieht den sonst noch jemand nicht? Dann muss ich wohl mal editieren. 







Lunz - Dew climbs
(Hans-Joachim Roedelius and Tim Story)
 


Hier live in Lunz 2009 (Roedlius, Tim Story, Clementine Gasser)



CD „Lunz“ (Tim Story +  Hans-Joachim Roedelius)

http://www.amazon.de/gp/product/B00006FR88/ref=olp_product_details?ie=UTF8&me=&seller=




PPPS... fiese Insekten gibt's auch dort

Hans Joachim Roedelius - Kluster/Cluster/Qluster

Antwort #8
Danke für den ausführlichen und Reisefieber auslösenden Bericht, zicky!
Von allen genannten Künstlern ist Arnold Kasar der einzige, von dem ich schon mal gehört habe  :oops:

Hans Joachim Roedelius - Kluster/Cluster/Qluster

Antwort #9
Danke für den ausführlichen Bericht.
Der Wald bzw. das Foto davon gefällt mir ausgesprochen gut und auch das Schloss hat das gewisse Etwas.
Ob da auch jemand forscht?
 :wink:
Und der Hase schaut mir wirklich eher wie ein verunfalltes Lope aus. Wie niedlich und offenbar ist er zahm.
 :)
Powidl ist übrigens ein Zwetschgen-Mus. Meine Omi und Ur-Omi haben das immer gegessen, mir schmeckt es nicht so. Aber es ist eine Spezialität die eigentlich aus Tschechien kommt. Und weil Böhmen früher zu Österreich gehörte, so ist es eben auch eine österreichische Spezialität.

Gruss
sendet
D.

Hans Joachim Roedelius - Kluster/Cluster/Qluster

Antwort #10
Das muss in diesen Thread:
Herr Bowie und Herr Roedelius 2003


Zitat





David Bowie with my pal Hans-Joachim Roedelius in 2003. If you look closely, Bowie is holding our "Lunz" cd...



Tja, dieses Jahr hab ich's nicht nach Lunz geschafft... ist halt furchtbar weit weg!



gruß, Z

Hans Joachim Roedelius - Kluster/Cluster/Qluster

Antwort #11
Hans-Joachim Roedelius wurde am 26.Oktober  80 Jahre alt!
Herzlichen Glückwunsch! :)

Zitat
Die Elektronik- Legende Hans-Joachim Roedelius wird am Sonntag 80 Jahre alt und Olaf Zimmermann freut sich den Jubilar zwei Stunden als Studiogast begrüßen zu können.
 
Der in der Nähe von Wien lebende Roedelius macht seit über 50 Jahren Musik in ganz unterschiedlichen Konstellationen,- mit Kluster, Harmonia, Cluster, Qluster, als Solist und realisierte Kollaborationsalben mit Brian Eno, Lloyd Cole und erst unlängst mit Christopher Chaplin, dem jünsten Sohn von Charlie Chaplin.
 
Zu den Bewunderer der Musik von Roedelius zählt auch der Songwriter Lloyd Cole, der für das Album "Roedelius/ Electronic Music" Lieblingsstücke aus dem umfangreichen Oeuvre zusammengestellt hat. Außerdem erscheint anläßlich des 80.Geburtstags das 3-LP-Boxset "Tape Archive 1973-1978" mit bislang unveröffentlichten Tracks und Skizzen...

http//www.radioeins.de/..28-10-2014_05-00/1_eins_elektro_beats...




gruß, Z

Hans Joachim Roedelius - Kluster/Cluster/Qluster

Antwort #12
 
Zitat
Im September gibt es dann das Roedelius-Lifelines-Festival im Haus der Kulturen der Welt. 
http://www.hkw.de/.../lifelines_roedelius/...


Das Programm ist jetzt online:

Zitat
03.09. – 06.09.2014  - Haus der Kulturen der Welt 

Donnerstag, 03.09. 

ab 18;00
Kunstinstallationen [Täglich ab 18h bis Veranstaltungsende, Eintritt frei] 

For Achim
Brian Eno  [wahrscheinlich nicht anwesend]
Installation

Der Lauscher
Christine Martha Roedelius & Rosa Roedelius
Installation
 
Unfinished Portrait of Roedelius Today
Hanno Leichtmann
Klanginstallation


20h  Konzert:
Hans-Joachim Roedelius mit dem Chor der Kulturen der Welt,
Arnold Kasar, Tim Story, Christopher Chaplin und Stefan Schneider
Abendticket 14€/10€



Freitag 04.09.

18h Gesamtkunstwerk Roedelius
Panel, Eintritt frei   
Mit Peter Kruder, Richard Fearless, Heiko Hoffmann u.a.

20h Konzert
Caramusa & Roedelius: „Saintphony Martin“ |
Tempus Transit feat. Jurij Novoselic
Abendticket 10€/8€ (Konzerte + DJ-Sets)

22h DJ-Sets
Richard Fearless und Peter Kruder
DJ-Sets solo  5€



Samstag 05.09.

17.30h Film,  Eintritt frei   
"Verklungene Melodie"
R: Viktor Tourjansky, D 1938, 98 min,
deutsche OF

19h Lesung, Eintritt frei   
Roedelius’ Autobiografie
Mit Detlef Diederichsen

20h Konzert
Astronauta Pinguim, E S B und Qluster
Abendticket 14€/10€



Sonntag 06.09.

18h  Filme  Eintritt frei   
18 h "Witness to War"
R: Deborah Shaffer, USA 1985, 40 min, engl. OF
18.45 h "Stalin Red God"
R: Frederick Baker, UK/A, 2001, 60 min, engl. OF

20h Konzert
Hans-Joachim Roedelius mit Lloyd Cole Electronic Music und Christoph H. Müller
Abendticket 14€/10€



Link:
http://www.hkw.de/de...lifelines_roedelius/programm

 



Gruß, Z


PS...  link zum "Zero"-Bericht. ...link..
und zum  "Neu"-Thread .....link..

Hans Joachim Roedelius - Kluster/Cluster/Qluster

Antwort #13
 [size=0px]Lifelines...Hans-Joachim Roedelius [/size]
Haus der Kulturen der Welt, 3.- 6 .9.2015



Am Wochenend trieb ich mich im HKW herum, anlässlich des Events „Lifelines – Hans Joachim Roedelius“ - in Anwesenheit der Hauptperson und mit mehreren sehr interessanten Konzerten.


Die Auster zeigt sich allerdings christomäßig verhüllt dieser Tage:


von aussen


von innen


Das Programm:


*click*









Kurator der Veranstaltung ist Detlef Diederichsen (Bruder von Diedrich) und seines Zeichens Leiter des Musikprogramms am HKW (und  Mitglied der  Band “Die Zimmermänner“)




Achtung[/b], habe bisher keine aktuellen Videos von den Konzerten gefunden und selbst nur sehr, sehr wenig gefilmt, wg.  Kackakku. Also gibt es im folgenden ein paar Links zu Fremd-Tubis von anderen Konzerten, die aber einen Eindruck geben!
 






[size=0px]Donnerstag, 3.9.[/size]



Donnerstag war Eröffnung mit einem Konzert von Roedelius mit seinen derzeitigen bevorzugten Musikerkollegen. Fast alle Künstler dieses Abends waren auch auf dem Lunzer Festival, welches ich 2012 besucht hatte.

Zu Beginn hat der Chor der Kulturen der Welt seinen Auftritt. Es wird eine Kantate von 1730 vorgetragen, geschrieben von Johann Christian Roedelius, ein Vorfahr von Hans-Joachim.



Anschließend spielt  H.J. Roedelius solo auf dem Piano, seinem derzeitigen Lieblingsinstrument.
Wie war irgendwo zu lesen: „Roedelius ist nicht der beste Pianist, aber keiner spielt das Piano so wie Roedelius“. Lol. Passt schon.


[size=0px](Foto von einem andern Abend)[/size]



Dann kommt Arnold Kasar auf die Bühne, der gemeinsam  mit Roedelius an Piano und Elektronik musiziert. Roedelius trägt dazu, was er sonst eher selten tut, eigene Texte vor. 




Hier sieht man, was Kasar sonst noch so treibt:
„En Automne (live at Emil Berliner Studios)“



Anschließend spielt Christopher Chaplin [size=0px](yo, verwandt...)[/size]  mit Roedelius elektronisches. Leider ist auch kein aktuelles Video zu finden, aber hier eines einer früheren gemeinsamen Performance von Chaplin und Roedelius:

„Chaplin & Roedelius - King Of Hearts (live excerpt)“ 



 




Es folgen Tim Story  + Lukas Lauermann
Interessante Kombination von Elektronik, Piano und Cello!

Hier ist ein kurzes Video von Lunz 2015:
„More Ohr Less 2015 - Roedelius & Tim Story, avec Lukas Lauermann“








Und hier etwas längeres, ähnliches, aber in anderer Besetzung:
"Lunz" live - Roedelius & Story & Gasser @ Lunz am See


Immer wieder schön ist das Stück „dew climbs“ vom Album „Lunz“
Auch das wurde in einer sehr schönen Version mit Cello gespielt.

Hier die CD-Version:
„Dew Climbs“ (CD „Lunz“)




Zum Ende dieses Abends kommt Stefan Schneider (ex „Kreidler“) auf die Bühne, mit dem Roedelius auch schon lange Musik macht.
 
Hier etwas älteres:
„Roedelius Schneider / Frameworks Festival 2013 / (1/2)“
 






Am Ende der Veranstaltung richtet Roedelius noch das Wort an die Menge zum Thema, das gerade die Welt bewegt:  Die Flüchtlinge.
Aber, er tut es nicht anklagend und moralisierend, sondern traurig, dass die Menschheit in all den Jahren und Jahrzehnten nichts dazugelernt hat...  :/
 


Als ich dann nach draußen zum Radel gehe, tönt vom unweit befindlichen  „Tipi“ der Schlussapplaus von  „Cabarét“ herüber  :)
(das wird da noch bis zum 20.9. gespielt)





[size=0px]Die Austellungshalle[/size]

In der Ausstellungshalle ist eine große Bar eingerichtet und es gibt dort Kunst zu sehen.
U.a. hat  Brian Eno eine Installation beigesteuert. Bestehend aus einem Dunkelraum mit kleinen elektrischen Teelichtimitaten, worin ein Soundloop läuft...  etwas scharlatant, aber es wirkt! = also mal wieder enös genial.
Nachdem ich dort etwa eine halbe Stunde verbracht hatte, schwebte ich  wieder heraus, Bodenhaftung suchend... (und rannte geradezu Herrn R. in die Arme, der mit Detlef Diederichsen vor der Plakatwand stand...)


Eno





Plakatwand



Das „Radio“ (?)




Gemälde



Soundinstallation/Video  (Hanno Leichtmann /Carolin Brandl)


...recht beeindruckend bei Dunkelheit



Außer gibt es drei Vitrinen mit Fotos und Dokumenten und Plattencovers


Besonders beliebt beim Publikum ist das Bild mit dem komischen Tier




Draußen im Garten befindet sich das Kunstwerk „der Lauscher“ von Roedelius' Frau Chrstine und Tochter Rosa. Wenn man sich in den Stuhl setzt, in dessen Seitenteilen Lautsprecher eingelassen sind, hört man Musik  (die Ohren gehören wohl auch dazu).



Hier sieht man Herrn R. selbst darin sitzen




Leere Austellungshalle vor Programmstart
 



Und dann gibt es draußen in dem großen Korridor vor dem Theatersaal noch eine Dauer-Loop-Projektion von Fotografien aus alten Zeiten




Und im Foyer steht ein riesiger Monitor, wo man wohl Musik auswählen kann... also eine Art Digital-Jukebox? Es spielte jedenfalls ständig irgendetwas...






[size=0px]Freitag,  4.9. [/size]

Der Freitag beginnt mit einem Podiumsgespräch.
Sehr interessant, sogar der Name „David Bowie“  fällt einmal



Auf dem Podium  sitzen (v.l.):
- Peter Kruder aus Österreich („Kruder & Dorfmeister“)
- Heiko Hoffmann  (Gesprächsleitung, „Groove“-Magazin) 
Und, bezeichnend, dass zwei weitere Gäste aus London kommen:
- Richard Fearless (Ex-“Death inVegas“)
- Stuart Baker (Label „Soul Jazz“ und Plattenladen) 

Denn es ist Thema, dass Roedelius & Co, bevor die Heimat sie recht gewürdigt hat,
zunächst vor allem im englischsprachigen Ausland bekannt wurden.
Außerdem war es damals schwer, an die Platten heranzukommen. Internet und CD-Kopien gab es nicht und die Platten waren oft nur in kleiner Auflage hergestellt und kaum in normalen Plattenläden zu bekommen (yup, erinnere mich, dass es selbst in den 80ern und frühen 90ern gar nicht so leicht war, die rareren Brian Eno-Platten [Obscure] zu bekommen). Nur in Japan habe es bereits Reissues gegeben.
(Stuart Bakers Label hat selbst eine Compilation mit Deutscher Elektromusik  herausgebracht :
http://www.souljazzrecords.co.uk/discography/?l=82

Die Briten hatten da mal wieder die Nase vorn. Dass der Prophet im eigenen Lande nichts, woanders aber sehr wohl etwas gilt, dies trifft, so scheint es, vor allem für die deutschen Propheten im Bereich Kunst & Kultur zu  [size=0px](und für David Hasselhoff :  Denn D-land scheint hingegen dankbarer Abnehmer für die Resterampe anderer Länder zu sein).[/size]

Es sei  vor allem das Verdienst von Brian Eno – und David Bowie! - dass britische Musikfreunde die ersten waren, die Harmonia, Neu, K(C)luster u.a. entdeckt haben. Das Wort „Krautrock“, einst eigentlich despektierlich von Briten erfunden, wurde bald zum Qualitätssiegel.
Stuart Baker erzählt augenzwinkernd, dass es zeitweise sehr cool gewesen ist, damit anzugeben, dass man diese Musik hört... 

Das Wort „Krautrock“ ist natürlich ein weites Feld... da finden wir ambientartiges, Prä-Techno, aber auch endloses E-Gitarrrengenudel....  dennoch, es weiß wohl jeder, was gemeint ist, wenn man diesen Begriff verwendet.
Richard Fearless erzählt, dass es in seinem Falle die Schuld von Bobby Gillespie (Primal Scream) gewesen sei, der ihn mit Elektro-Krautrock konfrontiert habe.
Fearless selbst schwärmt von dem Harmoniastück „Watussi“, nachdem er zeitweise süchtig gewesen sei.

Roedelius selbst berichtete uns später, dass er eigentlich erst jetzt (er wird im Oktober 81), seit ein paar Jahren anfangen kann, von seiner Musik tatsächlich zu leben!  - und das nach ca. 80 eigenen und 200 Alben, auf denen er mitgerarbeitet hat. Aber als Geheimtip wird man nicht reich und das ökonomische war auch nie sein Hauptaugenmerk. Aber er hatte immer Glück, in den entscheidenden Momenten auf Gönner und Finanziers zu stoßen – oder dass sich Zusammenarbeiten mit bekannteren Leuten ergaben, wie z.b. Eno. Die betreffenden Platten verkauften sich dann sehr gut „und wir konnten einige Jahre davon leben...“ 
Erst jetzt, wo einige seiner Platten  ein Re-Release erfahren haben, dank „Bureau B“  und Herbert Grönemeyers(!) „Grönland“-Label –  kommt nun auch was Geld rein. 
Er erzählt gern, dass das Geld immer knapp war und er eigentlich nur dank verschiedenster und teilweise recht bizarrer  „Brotjobs“  und letztendlich dank des festen Lehrerinnengehaltes seiner Frau, seiner Musik nachgehen konnte. 
Peter Kruder, der ebenfalls in Österreich lebt, erzählt, wie der in Kontakt zu Roedelius kam und dieser ihm ganz großzügig gleich ein Paket mit  CDs geschickt habe.
Richard Fearless lobt, dass Roedelius trotz des Umstandes, dass sich seine Tätigkeit ökonomisch kaum ausgezahlt hat über all die Jahre,  niemals verbittert ist und die Flinte ins Korn geworden hat...  „a true artist“..  Auch er, Fearless, habe schon ganze Alben aufgenommen, die nie veröffentlicht worden seien... aber  „you must get it out of your head“... 





Freitag - Konzert


[size=0px](wir beachten den Herrn zur Rechten)[/size]


Das abendliche Konzert startete mit der korsischen Gruppe  Caramusa, die folkloristisches zum Besten geben, hie und da von Roedelius am Piano begleitet. Roedelius erzählt uns, warum er Korsika sehr verbunden ist. Jetzt haben sie zusammen eine  „Saintphony Martin“  für den „Martinsweg“ (eine Alternative zum völlig überlaufenen Jacobsweg) komponiert. Auch daraus wird etwas vorgespielt.




Kaum ein Video zu finden.... zumal „Caramusa“ auch der Name eines Instrumentes ist.
Dieses kurze Snippet aber gibt einen kleinen Eindruck
„Caramusa u 27 di maghju “

 


Der zweite Teil des Abends wird von der Gruppe Tempus Transit (z.T. auch in anderer Besetzung als Hotel Palindrone unterwegs, und auch in Lunz gewesen) bestritten, begleitet von Roedelius. Hier werden mittelalterliche Instrumente, Saxophon, Piano und auch elektrisches gemischt, und Bandleader Albin Paulus jodelt auch schon mal dazu. Am Saxophon ist Jurij Novoselic.

 



Habe kein Video gefunden, daher dies von Lunz
„Tempus Transit & Qluster“






DJ-Sets  von Peter Kruder und Richard Fearless

Anschließend ging man dann an die „Bar“ in der Ausstellungshalle, wo erst Peter Kruder und anschließene Richard Fearless Platten auflegten. 

 

Ersterer betonte eher die etwas entspannenden elegischen Sounds klassischer Roedelius-Werke. Dazu lief ein Videoloop mit –  Fotos von Harmonia und Neu..u.ä...  über den Weserhof bei Forst und ein Ausschnitt aus dem UFA-Film „Verklungene Melodie“.... 

 

Man räkelt sich genüsslich in schwarzen Kissen auf dem Boden und lässt sich beschallen. Mir kommt der Gedanke, dass in früheren Jahrzehnten bei solchen Events bestimmt die Luft von THC-Wolken dicht gewesen wäre... (was durchaus passend gewesen wäre)

 

Richard Fearless ließ es etwas krachiger angehen... und ohne Video. Einige Leute wagten sich sogar aufs Tanzparkett....  Stellenweise war's etwas laut und technoide, aber trotzdem gut.

 
 
 
 


Plötzlich steht Roedelius hinter mir und grinst: „Das hätten wir vor 40 Jahren auch nicht gedacht, dass da mal sowas draus wird.“  :D

 


Fotos von den Tänzern auf Wunsch einer der tanzenden Damen (hoffe sie findet es ;)

 
 
 
 
 
 
 
 

Erst gegen 1:30 Uhr  ist Schluss...




[size=0px]Samstag,  5.9. [/size]

Am Samstag ging es los mit dem UFA-Film „Verklungene Melodie“ von 1938. In diesem Film kann man den dreijährigen Hans-Joachim Roedelius als Sohn von Brigitte Horney bewundern.
Als er endlich im Bild erscheint, gibt’s Szenenapplaus im Kinosaal. Frau Roedelius applaudiert besonders laut  :D .  Tja, wer hätte das 1938 erwartet.... 



Link: Mehr Info zum Kinderstar H.J. Roedelius


Anschließend gibt’s eine Lesung von Detlef Diederichsen  aus Roedelius' noch unveröffentlichter, ja nichtmal fertiggeschriebener Autobiographie, an der er wohl seit einiger Zeit arbeitet...
Diederichsen liest aus den ersten Kapiteln, von der Herkunft der Familie (die einmal „Redel“ hieß) und den Vorfahren, die oft Kantoren und Kirchenmusiker waren, über die wirklich haarsträubenden Wirren seiner Jugend  - als UFA-Kinderstar, Ost-Flüchtling, und Häftling im DDR-Gefängnis Bautzen, über allerlei Jobs  (u.a. als Masseur des französischen Staatspräsidenten und von Wolfgang Neuss) und Reisen  - bis er schließlich im Jahr 1968 die Musik entdeckt. Das  „Zodiac Arts Lab“   in Berlin war hier der Anfang (vor wenigen Jahren wurde hier in Berlin das "Jubiläum" begangen). Hier gründete sich um den Beuys-Schüler Conny Schnitzler die Gruppe „Kluster“, aus der nach Schnitzlers Weggang „Cluster“ wurde...
Vorüberhend endlich „Zur Ruhe“ ist er erst in dem Weserhof bei Forst gekommen, wo er mit einigen Weggefährten Anfang der 70er in einer Art WG gelebt hat (und wo auch der Herr Eno mal zu Besuch war).  Doch ist er da weggezogen, als offensichtlich wurde, dass das unweit flußaufwärts gelegene AKW Würgassen leckte und das Wasser verseuchte, so dass die Krebsrate in der Gegend deutlich gestiegen war.
Seither lebt er nun in Baden in Österreich, der Heimat seiner Frau Christine, die selbst auch Künstlerin ist, aber aus pekuniärer Notwendigkeit in den Lehrerberuf ging.

Danach gibt’s noch Q+A mit dem Autor persönlich.
Er erzählt, dass er „zum Glück“ nie Musikunterricht hatte sondern sich alles autodidaktisch
beigebracht hat...  Und, interessanterweise habe er nie „Synthesizer“ benutzt. Sondern nur akustisches Instrumentarium und elektrische Orgeln, deren Sound aber durch allerlei Gerätschaften manipuliert worden sei. Heute freilich nutzt er auch einen Apple-Laptop... 
Auch an  Dieter Moebius wurde erinnert, der leider vor wenigen Wochen verstorben ist.



Anders als andere Namen ist Roedelius nicht ganz so bekannt geworden, warum? Zum einen hat er weniger das Rampenlicht gesucht, zum anderen war seine Musik oft immer gerade da, wohin die Herde nicht unterwegs war.
So war er einerseits immer etwas weiter als manche Kollegen vom Popsong, Blues, Rock entfernt – aber andererseits lag ihm auch die avantgardistische Dekonstruktion der Musik gar nicht.
So stellt er fest, dass er, nachdem die „Moderne“ sich daran gemacht hat, den „konservativen“ Musikbegriff aufzulösen, er die „Melodie“ wiederentdeckt hat. Er habe z.b. mit Stockhausen u.ä wenig anfangen können.
Für ihn, der ja zeitweise in seinem Leben auch mehr oder weniger therapeutisch  (Massage, Sterbebegleitung u.a.) gearbeitet hat, war auch die Musik in ihrer Wirkung auf Mensch und Seele gewissermaßen Therapie – ohne dabei allerdings ins esoterische Geschwurbel abzugleiten.
So sei es das Typische für „Roedeliusmusik“, wie es einer der Podiumgäste bemerkte, diese Neigung zur Melodie und Einfachheit (ohne aber simpel + kitschig zu sein)...  das Herauslösen aus Zeit und Strukturen...  und die (sehr positive) Wirkung, die sie auf die Seele der Zuhörer hat.
Musik ist Schwingung, die Welt ist Schwingung... der Mensch ist Schwingung...

Außerdem gab es wohl durchaus auch einen „Generationenunterschied“ zu den meist ca. 10 Jahre jüngeren Mistreitern jener Tage (und 10 Jahre in dieser Zeit bedeutet viel: Nazizeit/Umbrüche bewusst miterlebt haben oder nicht!)
 





Das Publikum...
Wie zu erwarten ein recht hoher Nerd-Anteil, aber nicht nur. Besonders bei den DJ-Sets sammeln sich auch einige ziemlich nach Hipster aussehende Leute...  (...die Dame im hautengen Leopardenjumpsuit mit den Monsterstiefeln.)
Insgesamt mehr Herren als Damen, zum Teil grauköpfig, aber nicht nur, Teenager unterrepräsentiert aber vorhanden, Schwerpunkt wohl zwischen Ende 20 bis Anfang 60.
Interessant ist, dass wohl einige Musiker und Leute darunter sind, die irgendwas selbst mit Musik zu tun haben oder sogar aus dem Dunstkreis stammen. So belausche ich unfreiwillig ein Gespräch, wo jemand vom „Michael“ (Rother) erzählt... als ob er ihn recht gut kennt.


Shop
...die CDs und Vinylscheiben gingen weg wie die warmen Brötchen im HKW-Shop! Ich beobachte, wie jemand für über 200€ Vinyl rausträgt. Die Preise sind auch sympathisch! CDs alle für 12€, Vinyl für 16€. Die Leute kaufen wie blöd. Klar, manche dieser Aufnahmen sind wohl gar nicht so leicht zu bekommen. Es gibt auch ein paar limitierte Raritäten.






Samstag  - Konzert



Das Konzert am Samstag beginnt mit  Astronauta Pinguim  aus Brasilien.  Diese bestanden aus einem Herrn, der elektronische Musik machte und einem Herrn, der soetwas wie psychedelische Bilder mittels eines Overheadprojektors an die Wand warf, indem er mit farbigen Flüsskeiten und irgendwelchen Gegenständen in Glasschalen herumpanscht, welche auf dem Projektor sich befinden...
Sooo ganz überzeugt hat mich das nicht... die Musik etwas zu uninspiriert (und stellenweise arg laut), das Gepansche entbehrte auch ein wenig der Kunst...  Bild und Musik bildeten nicht so reicht eine Einheit... 
Naja, aber vielleicht lag es auch  nur daran, dass ich, heute sehr übermüdet, gerade meinen Totpunkt erreicht hatte und mit dem Schlaf kämpfte?







Denn die Vinylsingle, die ich später im HKW-Shop erwarb, gefällt mir außerordentlich gut!  :)

Vielleicht haben sie also nur ein Experiment gewagt auf der Bühne, was nicht jedem gleich gut gefallen muss. 

Youtube hat die beiden Songs der Single:

„Automatic“ (mit „Mr Silver Apples“ Simeon Coxe)*


„Here She Comes/There She Goes“  


Und das hier ist auch nett:
"Petiscos: sabor churrasco (Pinneaple Music, 2004) Álbum completo / full album“



*H.J. Roedelius hat übrigens auch schon mit Silberapfel Simeon Coxe als „Silver Qluster“ musiziert:
„ATP New Jersey I'll Be Your Mirror 2011“

„at Paramount Theatre 10-1-11“


 ...und hier ist Portishead mit S. Coxe („We carry on“)


Forumsbeitrag zu den Silver Apples
www.rkc.de/db/modules.php?name=Forums&file=viewtopic&p=190753&



….bei der nächsten Band war ich wieder voll und ganz hellwach!


Diese trägt den seltsamen Namen  Elektronische Staubband aka ESB  und wurde von Yann Tiersen gegründet. Tiersen mag dem einen oder anderen bekannt sein als Komponist von Filmmusiken („fabelhafte Welt der Amelie“ u.a.).

Deren Auftritt hat mich ziemlich umgehauen. Sehr, sehr geil. Auch die Dramaturgie stimmt. Klein angefangen, größer werden, sparsame, aber gekonnt eingesetzte Lightshow.
Sound? Schon etwas „poppiger“ als das meiste, was hier sonst geboten wird, aber keinesfalls blöd. Die Füße der Leute im Publikum begannen zu wippen [size=0px](was bei der Bestuhlung des HKW nervt, weil das Gewippe sogleich in die gesamte Sitzreihe weitergetragen wird[/size]).




Ich war ein wenig an Mogwai  und die instrumentalen Passagen von  Archive erinnert. Starke Rythmen, angeschrägte Harmonien, fette Akkorde und darin versteckte Melodien, denen zu folgen lockt...
Der Applaus war auch entsprechend. Ich erwarb eine pechschwarze Single ohne Aufdruck, nur mit der Prägung „ESB“ auf dem Cover – das einzige von ihnen, was es im Laden zu kaufen gab. Wie man liest, soll die Debut-CD im Herbst erscheinen. Wir sind gespannt!!

„Till The End“ ( mit Gesang, was es am Samstag nicht gab)


„Exit 25 Block 20“


„Monuments“


Noch ein Link
http://www.osthafen.org/de/blog/elektronische-staubband-esb-osthafen-studio/

Oh, schau an, sie treten am 22.Oktober in Berlin auf!
http://heyevent.de/.../esb-elektronische-staubband


Zum Abschluss dieses Abends dann gewohnte Qualität von  Qluster, sozusagen die Enkel von „Kluster“, mit Roedelius als einziger personeller Kontinuität. Derzeit tritt er mit Onnen Bock und Armin Metz auf. Hier geht es eher ambientmäßig und ruhig zu, elektronisches mit Pianoklängen... dazu gibt es sehr passende Videoanimationen  -  da sieht man den Gegensatz zu  dem Gepansche von vorhin - hier fügen sich Musik und Visuals zu einer betörenden Einheit.... Abdrift, Ahoi!

Das dumme bei den Animationen und Videos ist eben nur, dass man bei dieser Musik auch gern die Augen schließt... oder das Kopfkino anschaltet... so dass man oft gar nicht so recht Lust auf visuellen Input hat.
Aber, wenn man sich drauf einlässt – hier passt es.




Einen guten Eindruck gibt dieses Video eines Auftritts von 2011
„Qluster Live at Semibreve November“



Die Videokünstler
http://www.lumalaunisch.com/live



Die Decke im großen Saal



[size=0px]Sonntag, 6.9. [/size]

Am Sonntag gibt es zunächst zwei Doku-Filme, zu denen Roedelius/Cluster die sehr dezente Musik beigesteuert haben. 



Im ersten Film, „Witness to war“ (1984)  geht es um den ehemaligen US-Offizier Dr. Charles Clements, der in den 60er Jahren sozusagen die Seiten gewechselt hat und vom Air Force Piloten zum Arzt wurde, der sich um Kriegsopfer gekümmert hat.
https://en.wikipedia.org/wiki/Charlie_Clements_%28physician%29



Im zweiten Film „Stalin Red God“ (BBC 2001)geht es um die anhaltende Stalin-Verehrung in Teilen der Post-UdSSR in den 90er Jahren.
https://www.hkw.de/de/programm/projekte/veranstaltung/p_119608.php





Sonntag  - Konzert



Das Konzert des heutigen abends beginnt mit Lloyd Cole. Wir erinnern uns? Lloyd Cole & the Commotions....  nun hat auch er sich der Elektronik geöffnet und mit Roedelius Aufnahmen gemacht („Selected Studies Vol 1“). Lloyd Cole ist sehr sympathisch, spielt zusammen mit Roedelius etwas elektronisches zu Beginn, greift aber dann zur Gitarre und erklärt dem Publikum:
„You came here to listen to electronic music – and now you get this!...  last week I called Mr Roedelius and told him, that I tried to get something ready... but my brain is not big enough... and that he maybe should try to get someone else for this evening....  but  he said: Why don't you just come here and bring your guitar?!“
 Also gibt es  Songs zur akustischen Gitarre.
Am Ende spielen sie dann noch etwas elektronisches, aber offenbar gehen Herrn Cole dann die Ideen aus? Jedenfalls spaziert er irgendwann rüber zu Roedelius und signalisiert ihm wohl, dass es zu lang wird?  Keine Ahnung... jedenfalls ist danach Ende...  Tja..  hier ist eben vieles spontan und nicht vorbereitet...  ;)





Roedelius & Lloyd Cole  „Pastoral“


pitchfork
pitchfork-“selected studies, Vol 1“

Lloyd Cole acoustic
„Lloyd Cole at Szene Wien live 5.12.2013“


Und, aus alten Zeiten:
„Rattlesnakes“ - Lloyd Cole & The Commotions (1984)





Zum Abschluss stellen Roedelius und Christoph H. Mueller („Gotan Projekt“) das neueste Werk  „imagori“  vor.
Das Album ist gerade erst veröffentlicht worden. Gefällt mir sehr gut. Elektronische Klänge und Piano, durchaus rythmusgetrieben, beinahe discotauglich, aber mit Tiefgang. Habe dann gleich die Platte erworben (auf Vinyl).








Mueller/Roedelius: „origami II“


„Time has come“
https://soundcloud.com/groenlandrecords/mueller_roedelius-time-has-come

amazon
http://www.amazon.de/Imagori-Vinyl-LP/dp/B00YJLANJO

spex.de.....time has come
blouinartinfo.com....video origami...


Am Ende richtet Roedelius nochmal das Wort an die Anwesenden und bedankt sich sehr herzlich für diese Veranstaltung zu seinen Ehren.
Und...  "er könnt jetzt gerade so weitermachen...!"  :D

Anschließend gab es dann in der Ausstellungshalle  noch Signierstundne  mit Roedelius und Lloyd Cole. Da ist mir aber die Schlange zu lang.



Ich gehe nochmal kurz ins Eno-Kunstwerk, dann verabschiede ich mich vom Meister und radele nach Haus.



Es wird Herbst!






Presse
Tagesspiegel... (guter Artikel)
Deutschlandradio... 
Junge welt
thegap
taz.... (interview)



Mehr Informationen zu allen beteiligten:

HKW -  Lifelines #4: Roedelius
hkw...programm
hkw...biografien der Künstler

Und  - „Grönlandrecords“  [size=0px](muss ich mein Grönemeyerbild neu justieren?)[/size]
https://soundcloud.com/groenlandrecords

Bureau B
https://soundcloud.com/bureau-1


...Achso.... was doofes noch: :zunge: 
Das Restaurant „Auster“, welches sich im HKW befindet und auch frei zugänglich vom Hause ist, hatte  - Achtung!  - „geschlossene Gesellschaft“ an diesem Wochenende.
Wie blöd ist das?
Klar, für die Roedelianer gab es die Bar in der Austellungshalle – aber dennoch spazierte ich nach einer der Veranstaltungen aus alter Gewohnheit in die „Auster“, wunderte mich ein wenig über das dortige unpassende Begleitprogramm (Gruseldiscovorrichtung mit schlimmer Umpfta-Schlagermusik), aber bestellte dann einen Kaffee an der Theke.

[size=0px](die Discovorrichtung)[/size]
Als ich diesen bezahlen wollte, wurde ich blöd angeguckt: „Hä? Haben Sie denn kein Bändchen?“ Bändchen?  Hä?  Nee.
Ups! „Sie hätten hier ja gar nicht reingedurft, also sowas... tzzk... “

[size=0px](Das Schild an der Tür ist gut zu übersehen, zumal wenn sie sperrangelweit aufsteht.)[/size]
Nun, wenigstens muss ich den Kaffee nicht bezahlen. Hätte wohl zuviele Umstände gemacht. Ich nehme meine Tasse und trolle mich wieder in den Korridor vor dem Theatersaal, mit Blick auf die projezierten Fotos aus der guten alten Krautrockzeit am Ende des Ganges. 
So nah können die Parallelwelten also nebeneinander existieren... 





Gruß,  Z






 
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