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Thema: Wie Androgynität zeichnerisch darstellen? (11766-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema
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Wie Androgynität zeichnerisch darstellen?

Hallo ihr Lieben!
Jetzt sind mal wieder die Künstler unter euch gefragt. Im Ku-LK hatten wir die Aufgabenstellung, eine Person darzustellen, der man auf Anhieb ihr Geschlecht ansieht. Ich brauchte, nachdem ich die 20 deutlich als Frauen/Männer zu unterscheidenden Figuren an der Wand gesehen habe, natürlich noch eine Extrawurst. Ich wollte unbedingt mit wenigen Mitteln Androgynität darstellen. Meine Tutorin war absolut begeistert, aber das Ganze ist ja gar nicht so einfach... Ein paar Entwürfe (leider oft mit leichten Ähnlichkeiten zu Ziggy :wink: ) sind zwar schon fertig, aber ich hätte gern noch Tipps von euch. Habt ihr vielleicht Ideen / Links oder sogar eigene Entwüfe zum Angucken?

Ganz liebe Grüße,
Felis

Re: Wie Androgynität zeichnerisch darstellen?

Antwort #1
Meine Güte, Felis, Du hast immer Ideen ...
Da müsst man wahrscheinlich erstmal gucken, welches sind die Merkmale, an denen man Androgynität festmacht. Hm ...

Der visuelle Inbegriff von Androgynity ist für mich TMWFtE.



Tja; was sind da die typischen Merkmale? Und ich merke, dass ich eher feminin (aber nicht weibisch) wirkende Männer mit "androgyn" verbinde, als männlich wirkende Frauen (fällt mir auf Anhieb keine ein --- doch, vielleicht Annie Lennox und wie heißt sie denn ... Julie Andrews). Für mich also eher ein Mann mit schmaler, taillierter  Figur, eher schmalen Schultern, feinen Gesichtszügen, - hier auch etwas volleren Lippen -, langem, schmalen Hals, hohen Wangenknochen. Hmhmhm ... bleibt die Frage, wie sieht man einem solchen Mann an, dass er keine Frau ist ...? Kinn breiter, keine weiblichen Brüste, größere Hände und Füße ... oh Frau, Du stellst Fragen ...

Keep asking

* beate *

Def. Androgynität

Antwort #2


Zitat
Androgynitaet. (gr. MannFrau). 1) Zwitter, Scheinzwitter. 2) Lehre von der Zwei-Wesenhaftigkeit oder der Bipolaritaet der Geschlechter. In der Psychologie wird dieser Idee oder Forschungshypothese durch die Konzepte Maskulinitaet und Feminitaet entsprochen. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass die meisten psychologischen Geschlechtsunterschiede weitgehend kulturbedingt sein duerften und weniger einen originaeren, naturgegebenen Unterschied zwischen Frau und Mann widerspiegeln.  Gesundheitsbrockhaus (1990): paradoxe (umgekehrte) Gefuehlsweise der Frau (Virilisierung). Beim Mann Form der Interexualitaet mit maennl. Chromosomen und (aeusseren) weibl. Merkmalen (Feminisierung). Pschyrembel (1994): maskuline Form des Pseudohermaphroditismus.
    [size=0px]Quelle[/size]: http://www.sgipt.org/gipt/sex/gwsexab0.htm#Androgynitaet[/list]

    Wie Androgynität zeichnerisch darstellen?

    Antwort #3
    Hey, das ging aber mal wieder schnell, Beate! Du bist wirklich fantastisch :D !
    Danke dir besonders für die Begriffsklärung! Geht mir ähnlich, wie dir. Erstmal hat man einen sehr femininen Mann vor Augen und auch die sofortige Intention mit TMWFTE. In die andere Richtung fallen mir z.B: Marlene Dietrich und die kantigen 20er Jahre-Mannsweiber von der Lempicka ein.

    Zitat
    bleibt die Frage, wie sieht man einem solchen Mann an, dass er keine Frau ist ...?

    Genau! Das ist das Problem bei der Sache...

    Wie Androgynität zeichnerisch darstellen?

    Antwort #4
    mhmmm, habe die Frage gerade erst gefunden.... und das wichtigste habt Ihr ja schon festgestellt,.... jedoch ein kleines Portiönchen Senf bleibt noch zum dazugeben:
    Zitat
      bleibt die Frage, wie sieht man einem solchen Mann an, dass er keine Frau ist ...?
    ...ketzerische Frage... muß man das denn ? Ist es nicht das Wesen der Androgynität, daß die betreffende Person eben uneindeutig ist..?


    mhmmm das hier... mhmm...  biste sicher, daß das ein Mann is...?  :D
    (ich meine, wenn wir jetz mal nicht wüßten, wer das ist..hehe...)

    Gruß, Zzzzzz  :wink:

    Wesen der Androgynität

    Antwort #5
    Zitat
    mhmmm, habe die Frage gerade erst gefunden...

    Na, hab mich schon gewundert, wode bleibst ... bei so einer spannenden Frage nach Zwischenwesen ...  :wink:

    Zitat

    Zitat
      bleibt die Frage, wie sieht man einem solchen Mann an, dass er keine Frau ist ...?
    ... muß man das denn ? Ist es nicht das Wesen der Androgynität, daß die betreffende Person eben uneindeutig ist..?

    Ich denke das ist der Witz an der Sache. Ausgangsfrage: Wie zeichnet man eine androgyne Person. - Wenn Felis eine Person mit all den weiblichen Merkmalen (s. o.) zeichnet, käme keiner auf die Idee, dass das eine androgyne Person is; das wäre dann für den Betrachter einfach nur eine Frau. Dieses zwischengeschlechtliche Spannungsfeld zwischen weiblichen und männlichen Merkmalen zeichnerisch einzufangen, scheint mir eine ziemliche Herausforderung. Die platte Variante der Darstellung wäre dann vermutlich ein Hermaphrodit, das Mann-Weib.



    Hat für mich aber nix mit androgyn zu tun, was für mein Empfinden visuell eher Geschlechtslosigkeit bedeutet als doppelte Geschlechtlichkeit. Schwierige Geschichte ... magste nicht mal was zeichnen Zicky ...? ... und kriegen wir Dein zeichnerisches Ergebnis dann zu Gesicht, Felis?

    Zitat
    mhmmm das hier... mhmm...  biste sicher, daß das ein Mann is...? 

    Hm ... ich denke ... ja; denke, dass eben das den Reiz für mich ausmacht, dasses eben keine Frau ist, die weiblich aussieht, sondern ein Mann. Hm. Aber was ist es: Die gerade hohe Stirn? Das Kinn? Die ausgeprägte Nase? Der voluminöse Hinterkopf? ...???

    Keep swinging

    * beate *

    Re: Wesen der Androgynität

    Antwort #6
    Zitat
    hab mich schon gewundert, wode bleibst
    bei Bowieaudio festgehangen....
    Zitat
    magste nicht mal was zeichnen Zicky ...?
    ooopps,bin  gaaanz schlecht im Menschen-Zeichnen....
    Zitat
    und kriegen wir Dein zeichnerisches Ergebnis dann zu Gesicht, Felis?
      ganz genau... :wink:

    Zitat
    Hm ... ich denke ... ja.....
    hehe, nee, also gut, ich löse auf...das ist doch diese sowjetische Geheimagentin... damals, in Murmansk... 8)

    Gruß, Zzzz  :wink:

    Re: sowjetische Geheimagentin

    Antwort #7
    Zitat
    ...das ist doch diese sowjetische Geheimagentin... damals, in Murmansk... 

    Wassn, die da ... ?

     :roll:
    * beate *


    Wie Androgynität zeichnerisch darstellen?

    Antwort #9

    Diese Dame hier gilt auch als androgyn. Man weiß bis heute nicht, ob es vielleicht auch ein Mann ist, da zB keine Brust zu erkennen ist. Deshalb ist dieses Bild auch so geheimnisvoll.
    Vielleicht macht die Androgynität eine spezielle Weichheit der Gesichtszüge aus, bestimmte Unisex-Kleidung und andere Sachen. Aber genau kann man das auch nicht definieren.

    Mona Lisa androgyn?

    Antwort #10
    Zitat
    Diese Dame hier gilt auch als androgyn.

    Huch!? Bei ihr wär ich ja nun gar nicht drauf gekommen, an ihrer Weiblichkeit zu zweifeln.

    Zitat
    zB keine Brust zu erkennen ist.

    Nicht??

    Zitat
    Vielleicht macht die Androgynität eine spezielle Weichheit der Gesichtszüge aus, bestimmte Unisex-Kleidung und andere Sachen.

    Ja, ich denk, gerade, wenn man vom kulturellen Ansatz ausgeht, dass Accessoires auf jeden Fall verstärkend wirken können. Ich vermute, sie reichen jedoch nicht aus. Ein durchschnittlicher Mann wirkt auf mich geschminkt und in Frauenkleidern wie ein altes Weib, aber in keiner Weise androgyn. Die Grundlage des Androgynen muss vorher schon gelegt sein und wird durch Kleidung, Haarschnitt oder MakeUp nur verstärkt, denke ich.

    Für Felis:
    Der Mythos der Androgynie
    Androgynie

    Keep swinging

    * beate *

    Wie Androgynität zeichnerisch darstellen?

    Antwort #11
    Super!!! Ihr legt euch ja richtig ins Zeug für mich und meine Ego-Trips! Kann euch gar nicht oft genug danken :D !
    Zitat
    Ist es nicht das Wesen der Androgynität, daß die
    betreffende Person eben uneindeutig ist..? Ich denke das ist der Witz an der Sache.
    Das ist zwar der mit Abstand der spannendste Ansatz, aber auch gleich der philosophischte und ich soll ja (leider - fände deinen auch erheblich interessanter) keine Abhandlung drüber schreiben, sondern zeichnen... Trotzdem: Bitte erklär mal genauer, was für dich auch psychisch ein androgynes Wesen ausmacht! Das finde ich total spannend.

    Zitat
    Hat für mich aber nix mit androgyn zu tun, was für mein Empfinden visuell eher Geschlechtslosigkeit bedeutet als doppelte Geschlechtlichkeit.
    Stimme ich dir voll und ganz zu. Nur wie zeichnen?
    Zitat
    magste nicht mal was zeichnen Zicky ...?
    Och bitte, Zicky! Muss doch nur ne Skizze sein. Nichts ausgereiftes. Hab ich bisher auch noch nicht...
    Zitat
    und kriegen wir Dein zeichnerisches Ergebnis dann zu Gesicht, Felis?

    Ohje. Sind jetzt schon so viele Skizzen und ich finde noch keine wirklich
    zufriedenstellend, da jede nur eine Variante darstellt, die Aufmerksamkeit
    nur auf ein androgynes Merkmal lenkt. Wenn mir aber eine von euch nochmal etwas webspace zur Verfügung stellt, kann ich ja wenigstens eins, zwei Beispiele reinstellen.

    @beate: Wo hast du bloß die umfangreiche Literatur aufgetan? Du überraschst mich immer wieder mit diesen tollen Recherchen!

    Wie Androgynität zeichnerisch darstellen?

    Antwort #12
    Hi Felis!!!!

    Wie einige von euch ja vielleicht wissen, arbeite ich einmal im Monat in einem Travestietheater und habe dort mit vielen "vermeintlichen" Zwitterwesen zu tun.
    Aber, was mir dabei immer auffällt, sind es nicht die verkeideten "Ob-Mann-Ob-Frau-manweißesnichtgenau-Wesen", die ich als Androgyn empfinde, sondern eher diese, die so bleiben, wie sie sind, aber trotzdem, entweder durch ihre feinen Gesichtszüge (beim Mann) oder durch harte kantige Gesichter(Frau) die feinen Grenzen der visuellen Wahrnehmung verwischen.
    Du stehst vor einem Mann, siehst ihn an, dann lächelt er, oder fängt an, zu gestikulieren, und du fragst dich, ist das wirklich ein Mann?
    auch, wenn du vor einer Frau stehst (du warst dir gerade noch ganz sicher), und sie knallt hart das Bierglas auf den Tisch und ihre Gesichtszüge verändern sich, und nun bist du dir gar nicht mehr so sicher.
    Obwohl du es eigentlich weißt.
    Obwohl keine Zweifel möglich sind kommen dir diese zweifel, sobald sich dieser Mensch irgendwie bewegt.
    Du schaust auf ein Seitenprofil, schaust auf den Körper und weißt, der körper sagt dir genau, welchem Geschlecht dieser Mensch "angehört". Dann bewegt sich derjenige und schon fragst du dich, ob du gerade einer Sinnestäuschung erlegen warst.
    Ich ertappe mich dann oft dabei, das ich diese Menschen dann immer beobachte und völlig fasziniert bin.

    Wie man das zeichnen könnte kann ich dir leider auch nicht sagen, da ich nicht zeichnen kann.
    Auch so ist meine Aussage wenig wissenschaftlich und entspringt nur meinem persönlichem Empfinden und meiner persönlichen Wahrnehmung.

    Ich finde es in jedem Falle eine tolle Idee und will auch sehen, was du daraus machst.

    Love and Peace
    Lady of the lake

    Wie Androgynität zeichnerisch darstellen?

    Antwort #13
    Ja Lady, ich glaube auch, dass Mimik und Gestik besonders ausschlaggebend sind für die Wahrnehmung von Androgynität. Sie können im "falschen" oder unerwarteten Zusammenhang eine Person völlig rätselhaft und zwiespältig wirken lassen. Ich glaube aber, dass es auch dabei noch zeimliche Unterschiede gibt. Nicht jedes durchtrainiert sportliche "Mannsweib" mit groben Zügen wirkt schließlich androgyn. Es gibt da eher noch ein sehr ausgewogenes Zusammenspiel das trotz der Zwiespältigkeit der Person/ dem Charaker/ dem Äußeren des Jenigen etwas harmonisches und in gewisser Weise anziehendes verleihen.
    Aber wie das darstellen?

    Bitte weiter so, liebe, herzlich *schnurrende*Grüße,
    Felis

    Wie Androgynität zeichnerisch darstellen?

    Antwort #14
    Icxh hab ja von Kunst eigentlich gar keine Ahnung, aber finde zum Beispiel, dass Brian Molko von Placebo und Jarvis Cocker und Pulp auch androgyne Typen sind. Brian Molko vor allem auch wegen der Stimme. Als ich zum ersten mal Musik von Placebo gehört habe, war ich mir zunächst nicht sicher, ob das ein Mann oder eine Frau singt.

    Vielleicht hilft Dir das wenigstens ein bisschen als Gedankenanstoss...

     
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