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Tomorrow belongs to those who can hear it coming
Thema: "Reality" Kritiken (4022-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema
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"Reality" Kritiken

Auch die Jugend macht einmal Pause
Am Montag erscheint David Bowies neues Album "Reality". Die angekündigte Rückkehr zum Rock findet darauf nicht statt
Von Christian Schachinger (der standard.at)

Wien - Wie es sich für einen der wenigen Überlebenden der New Economy gehört, präsentierte David Bowie diese Woche sein neues, 26. Album Reality von London aus weltweit live. Übertragen wurde die Show aus dem Riverside Café, aus dem übrigens auch der neue kochende Global Player Jamie Oliver hervorging, mithilfe neuester Computertechnologie in ausgesuchte Kinos zwischen Tokio und Berlin.

Der mit dem Spiel wechselnder Identitäten und künstlerischer Positionen Verwirrung treibende 56-jährige Brite, der mittlerweile gemeinsam mit seiner Ehefrau, dem ehemaligen afrikanischen Supermodel Iman, und einer gemeinsamen dreijährigen Tochter standesgemäß uptown am New Yorker Central Park residiert, präsentierte sich dabei nicht nur höchst gelassen auf dem Höhepunkt seiner zumindest wirtschaftlichen Macht.

Immerhin hat Bowie schon Ende der 90er-Jahre als künstlerische Trademark mit dem Gang an die Börse in Hinblick auf hoffentlich eintretende Verkaufserfolge mit seiner Musik innerhalb kürzester Zeit gut 200 Millionen Euro verdient.

Nach dem enttäuschenden Midlifecrisis- und Mainstream-Rock-Album Hours aus 1999 und der zumindest im Rückblick teilweise hervorragenden, an alte Glanzleistungen wie zuletzt Scary Monsters aus 1980 anschließenden Arbeit Heathen aus dem Vorjahr erscheint kommenden Montag nun Reality. Und nach vier Jahren Pause wird Bowie am 29. Oktober auch wieder live in Österreich in der Wiener Stadthalle gastieren.

Sentimentales Altern

Entgegen der Vorausberichterstattung vor allem auch auf Bowies eigener Homepage (www.davidbowie.com) hat man es hier zwar nicht mit der groß angekündigten Rückkehr zum Rock unter besonderer Berücksichtigung des von ihm einst mit Ziggy Stardust mitgeprägten Glam-Rock zu tun. Und auch der gebrochene pathetische Existenzialismus von späten Leistungsschauen wie Black Tie, White Noise (1993) ist kilometerweit entfernt. Ganz abgesehen vom Bowie der Berlin-Phase mit den zeitlosen Jahrhundertwerken wie Heroes, Low oder Lodger.

Wie schon auf dem Vorgänger Heathen aber versucht sich Bowie im Verein mit seinem alten Produzenten Tony Visconti (Space Oddity, Diamond Dogs, Scary Monsters) wenigstens ansatzweise an einer Rückbesinnung auf seine gebrochenen Künstler-Images zwischen Dekadenz und Pathos. Das führt nicht nur zu interessanten Missverständnissen wie zwei etwas unglaubwürdig wirkenden Coverversionen. Pablo Picasso, das bereits in den 70er-Jahren von John Cale für immer gültig interpretierte Meisterwerk von Jonathan Richman, musste hier ebenso herhalten wie die Richtung deutscher Schlager gedeutete alte Nummer von George Harrison, Try Some, Buy Some. Mit Ausnahme der neuen Single New Killer Star oder dem Titelsong Reality wird dann hier auch nur wenig gerockt.

Vielmehr versucht sich David Bowie in der Fortführung des Songwritings von Heathen ein weiteres Mal daran, in Würde öffentlich und kreativ zu altern. Die Auseinandersetzung mit dem Tod und zahlreiche Bilder, die mit dem Sterben und der Vergreisung zu tun haben, finden hier in insgesamt elf Songs ebenso Eingang, wie auch eines versucht wird: Trotz einer Allegorie auf 9/11 im Song New Killer Star, die von einer "großen weißen Narbe" oberhalb des Battery Parks in New York spricht, versucht sich Bowie auch angesichts seiner eigenen Vergänglichkeit in Ironie und Zweckoptimismus. Das mag dann etwa im achtminütigen Schlusslied Bring Me The Disco King, das im Gewand einer etwas gar simplizistisch geratenen Jazz-Pianoballade daherkommt, etwas aufgesetzt wirken.

Beim altbacken funkig holpernden Never Get Old mit seinen Anspielungen auf Bowies alten Hit Fame oder verstreuten Zitaten von alten Hits wie Rebel Rebel oder Jean Genie funktioniert das allerdings ganz prächtig.

"Reality" Kritiken

Antwort #1
Dem Alter zum Trotz
Am Montag erscheint „Reality“, das neue Studio-Album von David Bowie. Der KURIER war beim Exklusiv-Interview in New York, wo die 56-jährige Rock- Ikone über Isolation, Buddhismus, Terrorängste und die Familie plauderte.
 
David Bowie im Interview:
 
Wenige Blocks von Ground Zero liegt New Yorks Künstlerviertel Soho. Dort hat David Bowie sein Apartment, dort hat er im Studio von Philip Glass „Reality“ aufgenommen, dort gibt er Interviews - und kann sich bei all dem der Realität der Region nicht entziehen.
 
KURIER: Die Texte von „Reality“ klingen, als würden Sie erst jetzt die Terrorattacken verarbeiten . . .

DAVID BOWIE: Es geht mehr um das Leben in New York danach. Leute, die eng in das Geschehen involviert waren, haben sich davon noch nicht erholt - auch ich nicht.
 
Waren Sie zu der Zeit nicht in Woodstock, um Ihr letztes Album „Heathen“ aufzunehmen?
 
Ja, aber meine Frau und meine Tochter waren hier. Ich habe mit Iman telefoniert, als das zweite Flugzeug in den Tower gekracht ist. Ich sagte, schnapp die Kleine und geh' zu Freunden, die weiter im Norden wohnen. Aber dann konnte ich sie ewig nicht erreichen und hatte keine Ahnung, ob sie in Sicherheit sind. Das war der traumatischste Tag in meinem Leben.
 
Haben Sie sich überlegt, deshalb wieder zurück nach London zu ziehen?
 
Aber London ist doch auch nicht sicherer. Nein, wir bleiben hier. Ich mag diese Stadt. Ich war richtig stolz, hier zu leben, als der Stromausfall war. Alle waren so ruhig und zivilisiert. Es gab kaum Plünderungen, obwohl alle Alarmanlagen ausgefallen waren. Das war übrigens am dritten Geburtstag meiner Tochter Lexi - wir haben mit vielen Kerzen gefeiert.
 
Ist es beim zweiten Mal anders, Vater zu sein?
 
Ich versuche, nicht mehr dieselben Fehler zu machen wie bei meinem Sohn Joe. Er hat als Kleinkind nichts von mir gehabt, weil ich ständig auf Tournee war. Mit Lexi erlaube ich mir das nicht mehr. Wenn ich ab Oktober wieder auf Tour bin, werden wir uns ein Haus mieten, irgendwo zentral, dass ich nach den Shows zurückfliegen kann.

Stimmt es, dass Sie nur wegen Joe damals den Drogenentzug geschafft haben?
 
Als ich gemerkt habe, dass er immer nur mit seinem Kindermädchen zusammen ist - seine Mutter war schon lange von der Bildfläche verschwunden -, dachte ich, es ist nicht länger egal, ob ich mein Leben wegwerfe oder nicht, denn er ist meine Verantwortung. Ich habe das Sorgerecht übernommen, als er sechs war und war ein allein erziehender Vater. So haben wir jetzt ein sehr enges Verhältnis. Er ist 32, lebt in London und betreibt dort eine Filmfirma. Wir telefonieren oder mailen täglich.

In „Never Get Old“ singen Sie: „Es gibt niemals genug Drogen“. Nach dem Entzug haben Sie sich in Interviews aber immer gegen Drogen ausgesprochen.
 
Natürlich. Weil ich die Überdosis überlebt habe und weiß, was passiert: Du wirst zu einem arroganten, selbstsüchtigen Stück Scheiße. Der Song ist ironisch: Ein alter Rocker, der einen Anfall hat und schreit, ich werde nie alt.
 
Haben Sie Angst vor dem Alter?
 
Nicht vor dem Alter, mich stört die Sache mit dem Tod. Ich habe großes Glück gehabt, so eine wunderbare Frau zu finden, mit der ich mein Leben teilen kann. Ich liebe, was ich tue - ich will das nicht aufgeben. Der Gedanke, meine Tochter verlassen zu müssen, zerreißt mir das Herz.
 
Warum haben Sie trotz dieser großen Liebe zu Iman für „Reality“ den Song „The Loneliest Guy“ geschrieben?
 
Isolation ist ein Thema, das sich durch alle meine Platten zieht. Ich verwende das als Metapher für meine Suche nach Spiritualität. Ich kann nicht anders, als auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zurückzukommen. Ich weiß zwar, dass ich keine Antworten finden werde, aber ich bin nicht buddhistisch genug, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind.

Wollten Sie wirklich einmal Mönch werden?

Mein Produzent Tony Visconti, der auch bei „Reality“ dabei war - er und ich, wir hatten in den Sixties einen Lehrer, einen aus Tibet geflüchteten Lama namens Chime Rinpoche. Ich war tatsächlich bereit, meine Gelübde abzulegen, aber Chime sagte, nein, du musst Musik machen. Der beste Rat, den ich je bekommen habe.

"Reality" Kritiken

Antwort #2
Das Interview ist ja echt ganz süß, aber die CD-Kritik... Naja ich weiß ja nicht. Sie gefält mir jedenfalls ganz und gar nicht. Hat sich die Autorin nicht eng genug mit der CD beschäftigt? Vielleicht liegt genau da das Problem. Die REporter müssen heute so viele CD-Kritken schreiben, dass sie gar nicht genug Zeit haben, sich richtig mit dem Werk zu beschäftigen. Es wird dann vielleicht 1x gehört und dann wird ein Urteil gefällt und genau das bringt dann so ein Bowie-Album zum erliegen.

Es reicht halt bei Bowie nicht einfach mal kurz reinzuhören und dann zu schreiben. Man muss sich in die Songs erstmal reinhören und die wirklich brillianten Texte und Anspielungen verstehen bzw. herausfiltern.

Oder sind wir Bowie-Fans hier einfach ein bisschen zu verblendet, weil wir Bowie eben lieben? Lassen wir dann vielleicht keine Kritik zu? Ich glaube nicht, denn wenn Kritik angebracht ist, bin ich durchaus gewillt mich dieser auch anzunehmen.

Mir gefällt das neue Album mit Ausnahem von vielleicht 2-3 Stücken, aber erfahrungsgemäß ist es so, dass mir genau diese Stücke später besonders gut gefallen. Ich finde man kann es nicht vergleichen mit den Vorgänger-Alben, weil es eben wieder so komplett anders ist. Reality ist meiner Meinung nach nicht das beste seiner seit den 90er erschienen Alben, denn das ist und bleibt aus meiner Sicht Outside, aber es ist ist dennoch sehr gut und hat etwas mehr respekt verdient als in der obigen Kritik.

War es nicht auch so, dass Outside damals in der Kritik auch nicht so besonders gut wegkam und heutzutage als das geniale Werk der 90er gehandelt wird? Wir wollen dann mal sehen, was aus Reality wird, oder?

"Reality" Kritiken

Antwort #3
Hier nochmal eine CD-Kritik aus der TV-Today:

[size=0px]David Bowie - Bleibt alles anders[/size] [size=0px](vielleicht eine Anspielung auf Grönemeyers Hit?)[/size]

Der Mann ist unberechenbar. Verlässlich ist nur: Jede neue CD muss anders klingen als die letzte. "Heathen" rührte durch sanfte Melnacholie, "Realtity" hingegegen ist voll rauer Energie, wenn uns Bowie Geschichten aus New York erzählt. Hier lebt er mit Frau Ian und Töchterchen Alexandria Zahra. Mit 56 ist er Höchstform. Midlife-Krisen? Hat er längst hinter sich: "Als junger Mann war ich viel depressiver." Heute sagt er: "Ich spüre, dass ich in den nächsten Jahren meine bedeutendsten Stücke schreiben werde." Dann mal los!

Art-Pop: Die Single "New Killer Star" ist eingängig. Aber wo sind die Hits? Bei "She'll drive the big car" setzt eine Mundharmonika County-Akzente, "Bring me the disco-king" ist jazzig, der Titel-Song macht auf Noise-Rock. So kraftvoll manche Stücke auch sind: Der rote Faden fehlt.

Wertung ***


Kleine Anmerkung noch von mir:

Klar, der rote Faden fehlt. Wir haben es ja hier auch nicht mit einem Konzept-Album zu tun und wer sagt denn eigentlich, dass alle Stücke auf einer CD gleich klingen sollen nur damit man einen roten Faden entdecken kann?

"Reality" Kritiken

Antwort #4
:?
So auch die Süddeutsche hat zugeschlagen:

David Bowie: "Reality"

Wie ein Schwitzfleck unter Jaggers Arm

Manchmal klingt Bowie auf Bowies neuer CD ganz so, als ob er seine dritten Zähne im Wasserglas vergessen hätte. Doch, nein, halt! Bowie ist natürlich wie immer unschlagbar. Selbst in seinen Urheberrecht geschützten Manierismen. (von) KARL BRUCKMAIER 


Ja doch, Bowie macht auch Reklame. In England für Vittel-Mineralwasser. Und in dem Spot trifft er auf Inkarnationen seiner früheren Selbsterfindungen. Ja doch, auch auf einen Diamond Dog.
Foto: Vittel

Vorne tut es etwas elektronisch und hinten endet es mit ein wenig Geraschel auf der Snare. Da will einer alles, und das in nur 49 Minuten. Beweisen, dass er seine Madonna- und Mirwaïs-CDs gehört hat ; die Zunge bohrt sich durch die Backe ; und klar stellen, dass hier trotzdem alles irgendwie handgemacht sein könnte und daher per se ehrlich wie ein Schwitzfleck unter Mick Jaggers Arm. Wenn er nur wollte, dero dünnliche Weißheit, der hochrespektable Iman-Schüler David Bowie, wenn er nur wollte. Weil er ja könnte. Ich könnte jederzeit ein David-Bowie-ähnliches Hit-Ass aus dem Ärmel ziehen, tanzbar, mit tiefen Texten und hohem Kreischen: Am besten, ich platziere es gleich zu Beginn von Reality, seinem 26. Album.

» Und, warum nicht, im frischen Jahrtausend präsentiert sich uns Bowie als bester Interpret des eigenen Kanons. «

 
So viel Vinyl: David Bowies Karriere findet sich - obwohl er so viel jünger wirkt als ein Wood, Clapton, Dylan ebenfalls bereits im fünften Jahrzehnt. Zuerst ein Parvenü, dem in den Sechzigern keiner zuhören will, ein drogenbeschleunigter Star in den Siebzigern, ein Ex-Star in den Achtzigern, fast. In den Neunzigern gleicht er einem Souvenirverkäufer am Strand: Ist's nicht diese Brille, dann wirds wohl jenes Mützchen sein. Und, warum nicht, im frischen Jahrtausend präsentiert sich uns Bowie als bester Interpret des eigenen Kanons, umjubelt, immer noch sexy und witzig und klug: Wer außer ihm würde an die Börse gehen, um so zu erwartende Einnahmen aus Rechteerlösen in der Zukunft sofort zu Geld zu machen? Wer außer ihm beamt Konzerte via Internet in Echtzeit um den Globus und zieht damit die Konsequenz aus der Tatsache, dass man bei Großkonzerten eh nur noch auf die Videoleinwände starrt und nicht mehr auf die kleinen Hupfer mit den Instrumenten? Wer sonst war so was von Neuer Markt?


Aber selbst ein David Bowie mag einmal Ziggy sein und einmal ein Diamantenhund und dann wieder ein Kumpel, der in englischen Revolverblättern vor Drogen warnt: Was zählt, sind nicht die vielen Kostümwechsel, was zählt, sind die Konzerte im Rahmen seiner siebenmonatigen Tour kommt er im Oktober nach Deutschland und die Platten. Was zählt, ist also die Musik. Und mit Reality ist es David Bowie gelungen, falls er dieses Konzept verfolgt haben sollte, alle Höhen und Tiefen des Songschreibermöglichen auszuloten. Der Reihe nach: die Patent-Bowie-Nummer New Killer Star hatten wir schon.

» Was zählt, ist also die Musik. Und mit Reality ist es David Bowie gelungen, alle Höhen und Tiefen des Songschreibermöglichen auszuloten. «
 
Anschließend stellt Bowie mit Jonathan Richmans Worten fest, dass Pablo Picasso niemalsnienicht ein Arschloch genannt worden sei, was bei David B. niemalsnienicht ganz ausgeschlossen werden kann, so bedrängt er das punkrockige Original mit Gitarrensamples, bis jeder gemerkt hat, dass hier einer die Zeichen der Zeit verstanden hat. Zu Never Get Old merkt Bowie in jedem, aber wirklich jedem Interview derzeit an, dass der Song ironisch gemeint sei. In The Loneliest Guy meint man dann, Bowie habe seinen eigenen Ratschlag in Sachen Altwerden nicht beherzigt, weil er singt, als habe er seine dritten Zähne im Bad vergessen. Und so weiter genörgelt und so fort gemeckert über ältliche Sounds, von sich selbst besoffene Arrangements und einen kaputtproduzierten George-Harrison-Song.

Aber David Bowie würde nicht schon so lange dort oben auf dem Pop-Olymp herumlümmeln, hätte nicht auch eine eher mäßige Platte, die seinen Namen trägt, ihre großen Minuten:She'll Drive the Big Car und Fall Dog Bombs the Moon halten die Balance zwischen einer formalen Strenge und den urheberrechtlich geschützten Bowie-Manierismen und melden damit ihren Anspruch auf hype-überdauernden Klassikerstatus an. Und Bring Me the Disco King mit seinem schön gefälschten Jazz-Ambiente deutet eine Zukunftsperspektive für David Bowie an, wenn er von Fußballarenen wieder genug hat.

SZ v. 15.09.2003

Gruß
Donizetti  :?


"Reality" Kritiken

Antwort #6
Ich hab schon seit ner ganzen Weile geahnt das Reality weitaus weniger positiv aufgenommen werden würde als Heathen. Heathen war kommerzieller angelegt und so mögen das unsere Kritiker eben. Reality kommt mit weitaus mehr Ecken und Kanten daher. Da war schon von vornherein klar das es nicht so beliebt sein würde.

Ich hatte aber ehrlich gehofft das ich mich irre. Soweit es mich betrifft fand ich Heathen nie so Wahnsinn, obwohl natürlich ein gutes Album, blah blah blah... Im Moment mausert sich Reality zu einem meiner Lieblingsalben und damit können mir offizielle Kritiken gestohlen bleiben.

"Reality" Kritiken

Antwort #7
Schön, dass hier die Zeitungskritiken hineinkopiert werden, aber wo bleiben eigentlich eure eigenen Kritiken?

Was ich mich beim Anhören dieses Albums frage: Wo bleibt das versprochene "thrusty"? Insgesamt kommt es mir zu ruhig daher. Nachdem es als rockigeres Album angekündigt wurde, enttäuscht es doch ein wenig, was allerdings nicht heißen soll, dass ich die Titel nicht mag. Aber es fehlen einfach einige Nuancen bis zum rockigen Album.

Einige Titel sind sehr eingängig, man summt sie den Tag so vor sich hin. Das heißt bei mir zumeist, dass ich die Titel schon nach Kurzem nicht mehr hören mag. Geht es hier noch jemandem ähnlich wie mir? Die Titel, die nicht so eingängig sind, sind die ruhigen im 2. Drittel der CD und die treffen auf Anhieb nicht wirklich meinen Geschmack. Mal sehen, ob ich mich da noch reinhöre.

Alles in allem trotzdem ein gutes Album, wenn ich auch der Meinung bin, dass es nicht den Kultstatus erreichen wird, wie die Alben der 70er und bei weitem auch nicht an die Langlebigkeit jener Tracks heranreichen wird.

"Reality" Kritiken

Antwort #8
Die Kritik aus der Süddeutschen klingt so, als ob der Verfasser sehr verliebt ist in seine eigenen Formulierungen. Solche Rezensionen kotzen  mich an. Inhaltlich werden hier sehr wenige Aussagen getroffen.

Und im Übrigen, wer Bo am 08.09. im Kino-Konzert gesehen hat, weiß mit Sicherheit, dass all diese Beurteilungen von vermeintlichen Fachleuten sowieso nicht zutreffen.

Da gibt es die schöne Dokumentation "Dr. Bowie und Mr. Jones", aus dem Jahr 1999 glaube ich, in der ein Fan, sicherlich unter Drogeneinfluss, aber sehr charakteristisch sagt. "He`s his own universe. He`s the centre I run through."  Und genau das trifft zu. Lasst doch diese Musikrezensoren einfach links liegen. Jeder von uns auf dieser Seite wird sich im neuen Album in irgendeiner Form wiederfinden.

Ansonsten fand ich die Charakterisierung einer Freundin von mir, die kein Bo-Fan ist, sehr passend: "Er ist halt immer ein wenig neben der Spur." ich finde, das trifft es sehr gut.

In diesem Sinne

odivan

"Reality" Kritiken

Antwort #9
David Bowie besinnt sich auf alte Stärken, jubilierten Fans und Kritiker im vergangenen Jahr, als der Brite mit seinem Album "Heathen" scheinbar mühelos einen Bogen zu den großen Kompositionen seiner Frühzeit spannte. Auf den anschließenden Konzerten setzte er diese lang ersehnte Affirmation in die Tat um und integrierte betörende Songs wie etwa "Life On Mars" wieder in sein Live-Programm. Betörend und überwältigend ist auch David Bowies neues Album "Reality", selbst wenn der Mann mittlerweile nicht mehr auf dem roten Planeten lebt, sondern in New York.
Die neuen Songs sind seine ersten seit dem 11. September 2001, da der Songwriting-Prozess bei "Heathen" bereits vor der Tragödie abgeschlossen war. Musikalisch äußert sich dies in einem weit rockigeren Ansatz. Nicht mehr atmosphärisch oder elektronisch schwermütig, sondern sehr direkt, unprätentiös und in sich abgeschlossen klingen die Songs auf "Reality". Statt auf Gaststars wie Air, Dave Grohl oder Pete Townshend, die ihm damals zur Seite standen, setzt Bowie dieses Mal bewusst auf seine eigene Band.

Was zählt ist das alte Prinzip: "Wir gegen den Rest der Welt", eine Einstellung, die zum außenpolitischen Verständnis seiner neuen Heimat durchaus Bezug nimmt. "Ich sehe eine große, weiße Wunde über dem Battery Park" sind Bowies Begrüßungsworte auf der grandiosen Single "New Killer Star", und ist sein Vermächtnis an "die Ecken der Gebäude, die Bürgersteige und Bäume" des veränderten Downtown Manhattan, das auch sein Zuhause geworden ist.

Er nimmt zwar nicht politisch Stellung, haucht seinen Protagonisten aber die selbst erlebten Eindrücke ein, lässt sie durch sein New York wandern, "north along Riverside" oder "south along the Hudson". In "Looking For Water" wird er dann nochmal konkret: "I lost God in a New York minute." Doch Bowie ist nicht wehleidig, seine Texte sind eher optimistischer Natur, was nach eigenen Aussagen vor allem mit der Geburt seiner Tochter zusammen hängt. Die Welt schlecht zu reden ist seine Sache deshalb nicht, lieber sucht er nach Wegen, mit der Gegenwart umzugehen ("Looking For Water").

Musikalisch enttäuscht mit dem Titeltrack ausgerechnet das lauteste Stück und auch aus George Harrisons "Try Some, Buy Some" konnte (oder wollte) Bowie die opulenten bis kitschigen Arrangements leider nicht entfernen. Dagegen kreischt er das von Jonathan Richman im Original knorrig minimalistische "Pablo Picasso" in einen völlig neuen Song, während er im potenziellen Klassiker "Never Get Old" mit zahlreichen Klischees um seine Person ironisch aufräumt.

Zum Abschluss kredenzt er uns mit "Bring Me The Disco King" seine Vorstellung einer jazzigen Klavier-Improvisation, das der in ihm zehrenden Ambivalenz zwischen Trauer und Hoffnung für sein New York ein musikalisches Denkmal setzt. Wenn "Low" sein Berlin-Album war, hat David Bowie nun nach Lou Reed ein echtes New York-Album veröffentlicht. Und eines ist sicher: "Reality" bites!

(laut.de)

Berliner Zeitung: Ich werde nie alt werden

Antwort #10
Zitat
Dienstag, 16. September 2003 

[size=0px]Ich werde nie alt werden[/size]
"Reality": David Bowie hat soeben sein 26. Studioalbum veröffentlicht

Auf dem Cover seines neuen Albums "Reality" sieht David Bowie aus, als würde er für Vogue durch die neue Herbstmode spazieren: In der stilisierten Lollipop-Gestalt (schmaler Körper, großer Kopf), wie sie momentan die Illustratoren der Modemagazine favorisieren, guckt er mit riesengroßen blauen Puppenaugen unter einer vom Winde verwehten Popperfrisur hervor. Dazu trägt er jenen schmalen schwarzen Einreiher, der in den 60er-Jahren verpflichtend für den modernen Mann war - und der heute von Hedi Slimane für Dior neu aufgelegt wird. Was soll uns das vorab wohl sagen? Es geht um das Bewährte, das immer noch gut aussieht. Oder gerade mal wieder ganz besonders.
Gerade hat der Künstler auch einen Fernsehspot für Vittel abgedreht: Der Bowie der Gegenwart lebt mit allen seinen früheren Persönlichkeits-Entwürfen in einer WG, in der ständig das stille Mineralwasser alle ist. Während die gewesenen Bowie-Klone wie der "Ashes to Ashes"-Weißclown, Ziggy Stardust und der Thin White Duke in der Küche herumlümmeln, tritt der Musiker im fünften Jahrzehnt seiner Karriere sinnend auf die Straße. Dabei begleitet ihn ein Titel der "Reality"-CD, in dem es um Regeln und ihre Ausnahmen geht: "There's never gonna be enough money/ There's never gonna be enough sex/ And I'm never, ever gonna get old." Einmal heißt es sogar ziemlich pompös: Und ich werde nie-niemals sterben.

Gewiss ist das ironisch gemeint von einem 56-Jährigen und auf die Ewigkeits-Hybris des Showbusiness gemünzt. Aber es klingt trotzdem ganz schön alt, schon wegen der Backing-Vocals der Band, die ein pflegeversicherungshaftes "better take care" intoniert - zu simplen Glamrock-Rhythmen, mit denen an die Zeit von "Space Oddity" angeknüpft werden soll, also wiederum an die großartigen späten Sechziger. Die einst präferierten metaphysischen Themen, das theatralische Verglühen in einem wie von Stanley Kubrick entworfenen Weltraum aber finden sich eher selten auf "Reality": David Bowie, der seit einem Jahrzehnt in New York lebt, hat mit der Arbeit an seinem 26. Studioalbum nach dem 11. September 2001 begonnen. Und vielleicht hat diese Katastrophe den anerkannten Fachmann des Größenwahns dazu gebracht, die grandiosen Visionen nun auch mal zu vernachlässigen und stattdessen mit "leiser Stimme" (so Bowies eigene Sicht auf "Reality") vom "verunsicherten" Mann zu singen. Die Ballade "The Loneliest Guy" etwa ist, wie Pfeifen im dunklen Wald, musikalischer Ausdruck von Hilflosigkeit. Leider klingt sie kläglich, genau so, wie der Britpop jüngst nach nur einem Jahrzehnt Existenz zu Grunde gegangen ist.

Ein jammernder Bowie, der seine Depressionen nicht mehr ausstellen mag, das mutet sonderbar an; frei von jeder Pose erscheint der König trotz seiner Kleider als nackt. Die überfrachtete Coverversion von George Harrisons "Try Some, Buy Some" wirkt ebenfalls verkrampft in der zweckoptimistischen Beatles-Niedlichkeit; die bis auf einige Kakophonien banal verrockte und herausgekrähte Variante von Jonathan Richmans "Pablo Picasso" birgt keine neue Idee für den Song. Und in der Kuschelhymne "Days" stellt sich Bowie zwar als von allem Produktionsballast befreiter auteur dar, nur leider ist das Stück zu belanglos für so tief greifende Zielsetzungen.

Das waren jetzt die schlechteren Nachrichten zu "Reality", das zwar in jeder Hinsicht ein retrospektives Album ist, aber mit seinem permanenten Zitieren des klassischen Bowies dann doch insgesamt ganz gut dasteht. "Bring Me The Disco King" etwa behandelt ebenfalls den neuen Hang des Sängers zur Empfindsamkeit, aber er verpackt die verwehten Erinnerungen an fabelhafte Ausgehzeiten in verklimperte, an sich völlig unpassende Jazz-Klänge, die sich herrlich unmotiviert und hypnotisierend im leeren Raum verlieren.

Produziert hat die elf Titel wieder Tony Visconti, mit dem sich David Bowie in den früheren Achtzigern heftig verstritten hatte. Bereits für "Heathen", den Vorgänger von "Reality", fanden die beiden 2002 wieder in bester Form zueinander. "Heathen" wirkte in seiner kühlen Kargheit visionär, doch eigentlich war es auch nur das Alte im neuen Gewand, es klang bloß so innovativ nach den ganzen Schweinerock- und Synthesizer-Experimenten der Neunziger.

Diesmal werden alle Bowie-Phasen seit den Sechzigern offen gelegt: Ziggy Stardusts apokalyptisches Vaudeville im krachigen "New Killer Star", die kühle "Young Americans"-Eleganz in "She'll Drive The Big Car", die Science-Fiction-Topoi von "Heroes" mit dem verrätselten "Fall Dog Bombs The Moon", der Tanzbarkeitswahn der "Never Let Me Down"-Ära mit "Looking For Water".

Man kann viel in "Reality" hineingeheimnissen, aber das muss gar nicht sein. Es ist schlicht ein handgemachtes, sehr rocklastiges Album, das aus dem Zusammenspiel mit der großartigen "Heathen"-Tourband wie für eine Liveaufführung entstanden ist und auf langwierige elektronische Studio-Frickeleien verzichtet. Reduktion auf das Wesentliche war der modische Code, der in den Neunzigern Gesetz war. Ihn in der Musik wieder zu beleben, beweist, in welch kurzen Abschnitten der Recycling-Kreislauf heute abläuft. Aber manchmal kommt eben auch das wieder, was gut war.

David Bowie: "Reality" (Sony)

[size=0px]Quelle:[/size] http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/feuilleton/277471.html

Re: ... wo bleiben eigentlich eure eigenen Kritiken?

Antwort #11
Zitat
Schön, dass hier die Zeitungskritiken hineinkopiert werden, aber wo bleiben eigentlich eure eigenen Kritiken?

Na hiiia,  TLOTDs ... und in diesem ulkigen neuen Community-Teil mit den Reality-Kritiken

Zitat
... habe mich mittlerweile etwas eingehört:
    New Killer Star
    Lauere immer voller Begeisterung auf den Refrain ab
    "... I'm better than you - All the corners of the buldings - Who but we remember these? - The sidewahlks an trees - I'm thinking now - - I discovered a star! ... A new killer star ... the stars in your eyes"
    ... den Part lieb ich.

    Pablo Picasso
    Denke auch, das ist ein wunderbarer Live-Song, der gleich am Anfang über
    eine riesigen Halle zu schweben scheint. Bestimmt auch ein guter Autofahr-Song.
    Kapier den Songtext nicht so ganz: Hanging by his fingernails? What does it mean??

    Never Get Old
    Über den Song habe ich sehr gestaunt, nachdem ich nur den Refrain-Part
    aus dem Vittel-Spot kannte. Ist ja ganz, ganz anders, der Anfang. Den
    Refrain selbst finde ich sehr kraftvoll, fast schon krachig.

    The Loneliest Guy
    Finde den (instrumentalen) Anfang total schön und empfinde alles andere
    als unerträgliches langatmiges Gejammer. Was mich sehr trifft ist, dass
    ich das Gefühl habe, dass sein künstliches Gebiss hier wieder extrem
    stark durchkommt und zu hören ist, das finde ich ganz schrecklich. :cry:

    Looking for Water
    Ist mir zu einförmig. Rums-rums-rums-rums. An Anfang denk ich noch, es
    könnt was draus werden. Nee, mag ich nicht, das Ding.
    Rums-rums-rums-gröl-gröl. Der "Looking-for-Water"-Part selbst stört mich regelrecht.

    Try Some Buy Some
    Nett. Vielleicht etwas lahm. Fällt mir mich etwas aus dem Rahmen.

    She'll Drive the Big Car
    Den Anfang find ich unmelodisch bis krachig, sonst nett der Song. Von
    der Stimmung her hat es was von Repetition, find ich.

    Days
    Find ich total goldig, mag ich sehr gern, hab mich auch riesig gefreut,
    als es im Kino kam. ...
    "all the days I owe you"
    ... oh, schön! Macht total gute Laune, schon gleich wenn's losgeht. Hat irgendwie was von 'nem netten Kinderlied. Wunderschön rhytmisch. :-)

    Fall Dog Bombs the Moon
    Lyrics und Musik scheinen mir hier in einem krassen Missverhältnis zu
    stehen: Der Text kling so dramatisch und die Melodie so easy-going.Das
    wüsste ich ja gerne mal, wofür der Mond steht und wer der Fall Dog ist.
    Hmm ...

    Reality
    Empfind ich als Tin-Machine-Krach schlimmster Art. (Mochte da eher die
    sanfteren Töne ...). Hab ich schon mehrmals genervt übersprungen, als es
    losging. Das Hoo-hoo, woo-hoo is süß ... aber sonst ...
    Im Kino hab ich mir die Ohren zugehalten, damit mein Trommelfell heil bleibt. :?

    Bring me the Disco-King
    Ist mir im Original zu jazzig (mag Jazz nicht so gern). Gefällt mir viel
    besser in der Lo(h)ner-Mix-Version viel besser. ... hab immer das
    Gefühl, er singt "Coco-Nights". ;-)
    Was mich hier stark irritiert ist der Part
    "Dance, dance, dance through the fire",

    bei dem ich nicht verhindern kann schlagartig Duran Durans,
    sehr dominantes
     "Dance into the fi-re!"
     
    im Ohr zu haben.[/list]Insgesamt finde ich, ein sehr gutes Live-Album ... was Bo ja offenbar auch so zu sehen scheint ...  8)

    Keep swinging

    * beate *

    ________________________________
    [size=0px]VORSICHT: PLATTENKRITIK IN FORM EINER GAAANZ SUBJEKTIVEN MEINUNGSAEUSSERUNG[/size]
      [size=0px]Quelle:[/size]  Reality-Album[/list]
      Zitat
      Was ich mich beim Anhören dieses Albums frage: Wo bleibt das versprochene "thrusty"?

      Echt?? Na mir ist das Album mit Reality und dem Vittel-Part aus Never-Get-Old mehr als thrusty genug ... *puh ...

      Zitat
      Einige Titel sind sehr eingängig, man summt sie den Tag so vor sich hin. Geht es hier noch jemandem ähnlich wie mir?

      Dto.

      Zitat
      Alles in allem trotzdem ein gutes Album, wenn ich auch der Meinung bin, dass es nicht den Kultstatus erreichen wird, wie die Alben der 70er und bei weitem auch nicht an die Langlebigkeit jener Tracks heranreichen wird.

      Never say never again, aber das würd ich generell wirklich nicht zu hoffen wagen, dass soetwas jemals wieder kommt. :|
      Bin so gesehen schon sehr happy mit dem neuen Teil. :-)

      Keep swinging

      * beate *

      Re: Die Kritik aus der Süddeutschen

      Antwort #12
      Zitat
      Die Kritik aus der Süddeutschen klingt so, als ob der Verfasser sehr verliebt ist in seine eigenen Formulierungen. Solche Rezensionen kotzen  mich an.

      Mensch, wo sich der gute Mann so 'ne Mühe gegeben hat, odivan ...

      ... und wo er recht hat, hat er recht:

      Zitat
      Manchmal klingt Bowie auf Bowies neuer CD ganz so, als ob er seine dritten Zähne im Wasserglas vergessen hätte.

      [size=0px]Buuu[/size][size=0px]uuuuu[/size]uuäääää[size=0px]äähhhh![/size] 

      * beate *

      "Reality" Kritiken

      Antwort #13
      In 2002, David Bowie found himself in a curious position - one, in fact, that he hadn't enjoyed for decades. Following the release of his 25th album, 'Heathen', people were suddenly taking his music seriously again.

      Not his old music - not that magisterial run of albums from the '70s - but the new stuff. 'Heathen' was Bowie's best effort since 'Scary Monsters And Super Creeps', a respite from all those dreadful trend-chasing, embarrassing records like 'Earthling', 'Outside' and 'Tin Machine'. How on earth would he cope?

      By going straight back to the studio and making a better one, it seems. If 'Heathen' was a little overpraised by relieved critics, then 'Reality' is a more deserving case. Now we can all relax a little and get used to Bowie being back in the zone. Not one to miss an opportunity, he doesn't stray far from the template he set up on 'Heathen'. Tony Visconti stays on as producer, as do most of the musicians. The sound, too, is broadly similar: elegaic, meticulous, dignified; referencing classic Bowie without slavishly trying to recreate it; never too self-consciously contemporary.

      But the songs are better, from the jittery but ecstatic opener 'New Killer Star' onwards. And Bowie sounds uncharacteristically comfortable inside his own skin. For once, he hasn't felt obliged to write off a persona after a single album. So on the epic strum of 'Never Get Old', we find a man perilously similar to the one who cropped up on 'Slip Away' (from 'Heathen'). This is millennial Bowie, just about reconciled to his age, concerned about the future for his children, able to contemplate his past with a certain wry amusement. You could even believe that this is what he's really like.

      'Reality' benefits, though, from the lack of an overarching concept. Vague allusions in 'New Killer Star', 'Looking For Water' and 'She'll Drive The Big Car' suggest a New York resident coming to terms with living in the city after September 11. But Bowie doesn't bother bludgeoning home the big ideas this time, content instead to just rock, more or less. There's a pace and intensity here sustained until the last track, a wiry and tense jazz shuffle called 'Bring Me The Disco King'. More remarkable still, Bowie survives the whole album without making a fool of himself. Even the two cover versions (Jonathan Richman's 'Pablo Picasso' and George Harrison and Ronnie Spector's 'Try Some Buy Some') are pretty good, notably superior to the Pixies and Neil Young desecrations on 'Heathen'.

      Of course, 'Reality' deserves a reality check. This isn't an album destined to be legendary or life-changing, and it's hard to envisage many Bowie fans often choosing to play this when they could listen to 'Low' or 'Hunky Dory' or 'Ziggy Stardust' instead. Rather, it's the sound of a man who's worked out how to be good again, who finally understands his own strengths and limitations. Who's content to be his own thing, rather than the new thing.

      Bowie's best since 'Scary Monsters', yet again.

      (dotmusic)

      "Reality" Kritiken

      Antwort #14
      Die Badische Zeitung schreibt am 17.09.2003 folgendes:


      http://www.badischezeitung.de/nachrichten/kultur/37,949996.html

      Kein Wasser mehr

      David Bowies neues Album ist die Summe seiner Geschichte

      Der Titel erstaunt ein wenig. "Reality"? David Bowie - in der profanen Wirklichkeit angekommen? Zur praktischen Vernunft gekommen? Vielleicht eine Frage des Alters: 56 ist er mittlerweile, der einstige Großmeister der künstlichen Images. Aus dem androgynen Alien der 70er ("Ziggy Stardust") ist längst ein Elder Pop Artist geworden, ein Gentleman-Künstler, der seine eigene Geschichte betrachtet. Und sich wundert, dass er die wilden Zeiten überlebt hat, wenn er alte Fotos von sich sieht. Seine Verhältnisse sind heute stabil: Seit zehn Jahren wohnt er in New York, mit Frau Iman und dreijähriger Tochter. Gerne erzählt er, wie wohl er sich in der Stadt fühlt.
      Dazu hat er seit zwei Jahren eine neue Plattenfirma, Columbia im Sony-Konzern. Die lässt ihm die künstlerische Freiheit, dann eine Platte zu machen, wenn er will und nicht wenn es die Marketingabteilung für richtig hält. Und so schickt Bowie nach dem Album "Heathen" vom vergangenen Jahr schon wieder etwas über den Atlantik. "Reality", das neue Album, ist Teil zwei des diesjährigen Bowie-Herbstes: Teil eins war die Promotion-Aktion, die neue CD per Konzertübertragung in Kinos in 22 Ländern vorzustellen (BZ vom 10. 9.). Teil drei werden die Live-Auftritte demnächst sein. Bowie weiß immer noch, wie man von sich reden macht - ohne gleich Aufsehen erregen zu wollen.
      Auch künstlerisch: Bowies Musik heute ist keine Bahn brechende mehr wie sein Glam Rock der 70er, wie seine Elektronik der Berliner Phase ("Heroes"). Auch kein gewollt mondäner Pop mehr wie in den 80ern ("Let's Dance") oder ein gewollt primitiver Rock wie in den 90ern. Sondern eine Art Summe.
      Auf "Reality" gibt es auch Geradeaus-Rockgitarren, vor allem von Earl Slick, der seit Jahrzehnten in Bowies Live-Band spielt. Aber oft genug brechen sie sich an merkwürdigen Synthie-Klängen wie sie weiland Brian Eno für Bowies Berliner Trilogie erfand. Manchmal spielt der Sänger sein "Stylophone", dieses spielzeugmäßige Keyboard aus den 60ern, das sich nie durchgesetzt hat. Helle akustische Gitarren und weiche Streicher machen aus "Days" ein elegantes Stück Pop wie von den Platten, die Bowie einst mit dem verstorbenen Nile Rodgers (von Chic) produzierte. Und immer im Mittelpunkt: Bowies Stimme, mit ihrem intensiven Timbre, aber ohne das Pathos mancher früherer Songs, manchmal sogar intim klingend. Im Ganzen gibt das einen gemäßigten Kunstrock, kongenial gemischt von Bowies Uralt-Produzenten-Freund Tony Visconti.
      Ein Liebeslied entlehnt von George Harrison
      War die Vorgängerplatte "Heathen" ("Heide") ein Dokument der Selbstbefragung, so untermauert "Reality" den Status des Künstlers als auf kluge Weise älter gewordener Mann. Auch die Texte sprechen davon: "Never Get Old" blickt ironisch auf die Zeiten zurück, in denen es nie genug sex and drugs gab. Für einen amerikanischen Werbespot hat Bowie dieses Stück quasi verfilmen lassen: Er in der Hauptrolle trifft seine früheren Alter Egos und muss feststellen, das sie ihm das beworbene Mineralwasser weggetrunken haben. Lustig auch die Coverversion von "Pablo Picasso", einem Stück, das der kindliche US-Songwriter Jonathan Richman 1976 über die Vorzüge des Künstlerruhms schrieb.
      "Days" dagegen ist ein Lied Bowies über die Tage, die ihm noch bleiben - und den Menschen, den er braucht, um zur Ruhe zu kommen. Es wird seine Frau Iman damit gemeint sein. So wie auch Bowies gelungene Coverversion von George Harrisons Song "Try some, buy some" (von 1973) ein Liebeslied für sie ist. Ganz so einfach allerdings ist es nicht immer, den Sinn der Songs zu erschließen. Bowie wäre nicht Bowie, gäbe es hier nicht genug Kryptisches: Wer ist der Mensch, der in "Looking for Water" ums Überleben kämpft? Ist das ein 11.-9.-Song des Wahl-New-Yorkers Bowie? Das Motiv gewalttätiger Auseinandersetzungen flackert auch in den Songs "New Killer Star" und "Fall Dog Bombs the Moon" auf, ohne dass die Texte allzu real würden. Ein Geschichtenerzähler wird Bowie nicht mehr. Seine Stärke bleibt es, Worte zu metaphorischen, vielfach deutbaren Songs zu verdichten. So ist auch "Reality", der Titelsong, in Wirklichkeit kein Song über die Wirklichkeit, sondern einer über die Undurchschaubarkeit der Welt.
      Thomas Steiner

      - Die CD "Reality" ist bei Columbia/Sony erschienen. Am 24. Oktober tritt David Bowie im Zürcher Hallenstadion auf, am 26. Oktober in der Stuttgarter Schleyerhalle.
       


      grüßle

      Schawinis

       
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