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Thema: "Corpse Bride" (385-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema
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"Corpse Bride"

Corpse Bride oder: Totgesagte leben länger



Ein kleines europäisches Städtchen irgendwann im 19. Jahrhundert. Der junge Träumer Viktor (mit der Leihstimme von Johnny Depp) soll gegen seinen Willen mit der vermeintlich gut betuchten Viktoria verheiratet werden. Und wie schön: Schon nach der ersten Begegnung zwischen den beiden, sind alle Zweifel beseitigt, weshalb ihrer Liebe und dem gemeinsamem Glück eigentlich nichts mehr im Wege stehen sollte. Leider vergeigt es der nervöse Knabe jedoch bei der Hochzeitsprobe und flüchtet geknickt in das nahe Wäldchen, um sich dort ein wenig besser vorzubereiten. Dabei stülpt er – quasi als Übung am Exemplum – den Hochzeitsring über einen morschen Ast, um sich auch diese Handlung perfekt einzuverleiben. Doch denkste: Nicht ein Ast ist es, sondern ein aus der Erde ragender, total verrotten Arm einer verfluchten Braut. Durch seine Tat weckt er diese aus ihrem Dornröschenschlaf und gibt ihr – so besagt es der Fluch – das Ja-Wort für den Bund des Lebens. Oder eben besser des Todes. Denn von nun an ist Viktor an seine Pflicht als treuer Ehemann gebunden, will heissen mit seiner neuen Frau ein Häuschen in der frisch und fröhlichen Unterwelt zu beziehen.

Viktor ist hin und her gerissen von Corpse Bride, also einem Dasein als lebender Toter – oder so ähnlich – und dem wahren Leben mit seiner geliebten Viktoria. So beginnt er allmählich auch Gefühle und Verständnis für die eigentlich ganz süsse Leiche mit der Leihstimme von Helena Bonham Carter zu entwickeln. Doch damit nicht genug: Vermiest wird die Suppe ausserdem von einem fiesen Ersatzehemann für Viktoria, unfähigen Zauberern und allerlei weiterem Gesindel.

Rating *****
Das warten hat ein Ende. Und – oh danke, ehrwürdiger Tim Burton – es hat sich wahrhaftig gelohnt. Wie erwartet, ist Corpse Bride ein getreuer und würdiger Nachfolger von Filmen wie The Nightmare before Christmas oder dem Kurzfilm Vincent. Schon in den ersten paar Minuten wird klar, wie viel Liebe und Sorgfalt im Film steckt, denn die Schaffer ziehen alle Register: Sowohl bei der wilden, von Raben begleiteten Kamerafahrt durch das düstere Städtchen als auch bei der Einführung der einzelnen Protagonisten ist alles bis ins letzte Detail komponiert. Die Figuren haben –oft wunderbar passend zum Charakter – alle ihren ganz individuellen Stil, etwa, was Bewegung oder Haltung betrifft. Weiter zeigen diese sehr bald, dass sich die Geschichte nicht hinter der Optik verstecken muss. Sie birgt zwar nicht viel Neues, doch vermischt sie Altbewährtes zu einem zuckersüssen Märchen, hauptsächlich basierend auf einer russisch-jüdischen Fabel.

Natürlich gibt's auch einige Elemente, an denen sich die Geister scheiden werden. Vor allem an den Musicaleinlagen, von bluesigen Skelettsongs bis zu einem quasi aufs Klavier übertragenen Dialog ist fast alles dabei, aber auch an den absolut skurrilen Charakteren der Unter- und Oberwelt werden sicherlich nicht alle Gefallen finden. Vergleicht man den Film jedoch mit den jüngsten Werken von Disney & Co., so ist Burton der Gewinner auf der ganzen Linie: Seine urkomische Handschrift, u.a. die dünnen Giacometti-Figuren, die spiralförmigen Verkrümmungen und der pechschwarze Humor, haben nach gut zwanzig Jahren eine Reife erreicht, die ihresgleichen sucht und alle Altersgruppen zu vergnügen weiss. Stilsicher lotsten uns Burton und seine Komparsen durch dunkle Wälder und verwinkelte Gässchen, stets untermalt von schaurig schöner Musik.

Einzig und allein die Abkehr von der klassischen Stop Motion hin zum vermehrten Einsatz von weniger aufwendigen CGIs mögen alt eingesessene Trickfilmfans ein wenig enttäuschen. Glücklicherweise ist der Unterschied jedoch dermassen schwer erkennbar geworden, dass die neue Technik auf wundersame Weise mit der alt bewährten verschmilzt und ein völlig neues Kinoerlebnis ermöglicht. Tim Burton, in den letzten Jahren produktiver denn je, hat den Sprung ins neue Jahrhundert folglich mit Bravour geschafft und ist mehr denn je pure Magie.
 
Corpse Bride - dt Filmseite

"Corpse Bride"

Antwort #1
ahhhhhhh, sehr schönn!
grazie!

j.

 
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