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Thema: Sue (Or in a Season of Crime) | SdT 10.10.2020 (672-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema - Thema abgeleitet von Ashes To Ashes | SdT ...
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Sue (Or in a Season of Crime) | SdT 10.10.2020

Sue (Or In A Season Of Crime)



"Sue (Or In A Season Of Crime") war die erste Neuveröffentlichung Bowies seit  dem Album "The Next Day".
"Sue" ist ein ambitioniertes Projekt, das auch im mehr als vielfältigen Bowie-Katalog seinesgleichen sucht. Es ist eine Kooperation mit dem Maria-Schneider-Orchestra. Jazz war immer schon eine große Liebe von Bowie, er selbst hatte zum Beispiel bei "South Horizon" oder auch "A Small Plot of Land" (dessen 'Poor Dunce'-Melodie in 'Sue' gehört werden kann) Ausflüge in das Jazzgenre unternommen, die glaubwürdig und gelungen waren. Dennoch ist die Situation bei "Sue (Or In A Season Of Crime)" anders. Bowie war natürlich bei der Umsetzung eines so großen Jazz-Projektes auf Hilfe angewiesen.

So kontaktiere er Maria Schneider, wozu ihm übrigens sein langjähriger Pianist Mike Garson schon vor längerer Zeit geraten hatte.
Bowie sah einen ihrer Auftritte im "Birdland" in New York am 8. Mai 2014. Am Tag danach besuchte er sie in ihrer Wohnung um herauszufinden, ob eine Zusammenarbeit möglich wäre. Er brachte zwei Kompositionsentwürfe mit, einen für "Sue" und einen weiteren, für den Maria Schneider wegen eines eigenen Projektes die Zeit fehlte. Er trug den Arbeitstitel "Bluebird" und sollte später zu "Lazarus" werden.

Anfang Juni 2014 trafen sich Bowie und Schneider in deren Wohnung um an "Sue" zu arbeiten, nachdem Schneider einige Wochen lang Zeit gehabt hatte, mit ihren eigenen Ideen für "Sue" zu experimentieren. Am 9. Juni 2014 schließlich trafen sich Bowie, Schneider, Saxophonist Donny McCaslin, dessen Schlagzeuger Mark Guiliana, der Posaunist Ryan Keberle sowie der Gitarrist Ben Monder und der Bassist Jay Anderson zu einer Probensession für "Sue" um in kleinerer Besetzung die Ideen zu Sue auszutesten, bevor sie mit dem großen Orchester ins Studio gingen. Nach einigen Adjustierungen und einer weiteren Session im kleinen Rahmen sowie finalen Optimierungen durch Maria Schneider nahm sie "Sue" schließlich mit dem kompletten Orchester am 24. Juli 2014 auf.

Den Text hörte Maria Schneider zum ersten Mal während der Aufnahmesessions. "Er änderte den ganzen Songtext noch einmal gegen Ende" sagte sie 2015. "Ich wusste Bescheid über die Richtung, die der Song nehmen würde, aber dann änderte sich das plötzlich - und es wurde zu einer Geschichte über Sue, die ermordet wird weil sie ihren Mann betrogen hat. Er wollte, dass es wirklich eine sehr düstere Geschichte wird. Ich dachte 'O Gott, werde ich eine Menge Kritik dafür abbekommen, dass ich zu einem Song beigetragen habe, in dem es um einen Mann geht, der eine Frau umbringt? Aber ich habe den Text ja nicht geschrieben. Und es klingt gut."

Wie es bei Bowie oft der Fall ist, kann die Handlung des Songs auf mehrere Arten und Weisen interpretiert werden. "Die" Interpretation und eindeutige Lesart gibt es nicht. Wenn Bowie singt: "Sue, I've pushed you down beneath the weeds" - er hat sie offenbar ertränkt - habe ich ein ganz bestimmtes Bild vor Augen:

John Everett Millais, Ophelia (1852)


Es ist nicht ganz klar,  was der Protagonistin des Songs an dessen Beginn widerfahren ist. Ihr Mann hat den Job bekommen, jetzt können die beiden sich den lange gehegten Traum vom eigenen Haus erfüllen. Sie Ist offensichtlich krank oder verletzt, vielleicht sogar durch die Misshandlungen ihres eigenen Ehemannes: "Sue, the clinic called, the x-ray's fine." In weiterer Folge wird nicht verraten, wann genau im Verlauf des Songs der Protagonist zum Mörder wird. Er denkt schon in einer der ersten Strophen darüber nach, dass sie "Sue the virgin" auf ihrem Grabstein stehen haben wollte. Warum virgin? Sie war doch verheiratet, offenbar unglücklich. Einen Sohn hatte sie auch, doch wohl nicht aus der gemeinsamen Ehe.
Dass sie ihn wegen eines anderen Mannes verlassen wollte, wofür sie mit dem Leben bezahlen musste, erfahren wir erst in der letzten Strophe des Songs:



"Sue (Or In A Season Of Crime)" wurde 2015 für das Album "Blackstar" in Zusammenarbeit mit Mark Guiliana, Donny McCaslin und Tim Lefebvre in einer komplett anderen, härteren und schnelleren Version aufgenommen. Mir persönlich gefallen beide Versionen ausnehmend gut.

Das Video zur "Jazz" Version von "Sue (Or In A Season Of Crime)" ist in schwarzweiß gehalten und weckt Erinnerungen an den Film "Der Dritte Mann". Für das Video zeichnete Tom Hingston verantwortlich. Es gibt einen Spezialbegriff dafür, wenn Buchstaben eine tragende Rolle im Video spielen, aber ich habe leider nicht herausgefunden, welcher Begriff das sein könnte.

Lyrics

Sue, I got the job
We'll buy the house
You'll need to rest
But now we'll make it

Sue, the clinic called
The x-ray's fine
I brought you home,
I just said home

Sue, you said you wanted writ
"Sue the virgin" on your stone
For your grave
Why too dark to speak the words?
'Fore I know that you have a son
Oh, folly, Sue

Ride the train, I'm far from home
In a season of crime none need atone,
I kissed your face
Sue, I pushed you down beneath the weeds,
Endless faith in hopeless deeds,
I kissed your face
I touched your face

Sue, goodbye

Sue, I found your note
That you wrote last night
It can't be right
You went with him
Sue, I never dreamed
I'm such a fool
Right from the start
You went with that clown

"Sue" (Or In A Season Of Crime), offizielles Video



"Sue" (Or In A Season Of Crime), Blackstar Version


Antw.: Sue | SdT 10.10.2020

Antwort #1
Mit Sue machst du mir ein besonderes Geschenk @ezaube, Danke 😘

Ich habe ja drüben im Songthread schon genug Seiten mit meiner Euphorie gefüllt. Euphorisch war ich schon nach den ersten Takten als wir damals den Song im BBC Radio zum ersten mal hörten.
Danach habe ich mir sehnlichst ein Jazzalbum gewünscht. Dieses Geschenk hat David uns ja dann gemacht.

LG
Petra

Antw.: Sue | SdT 10.10.2020

Antwort #2
Das Foto ist wunderschön. Wenn nicht dabei stehen würde, dass es von 1852 ist, hätte ich gedacht das es aus dem Video "Where the Wild Roses Grow" stammt.

Kylie Minogue & Nick Cave - Where The Wild Roses Grow



Ich liebe dieses Video.

LG
Petra

Antw.: Sue | SdT 10.10.2020

Antwort #3
"Sue" das war natürlich eine Überraschung beim Release. Für uns als Ufer-DJs ist es inzwischen schon fast eine kleine Tradition auf der Bowie-Geburtstagsparty diesen Song kurz nach dem Aufbau im noch verwaisten Ufer zu spielen. Schade nur, dass das bislang kaum einer mitbekommen hat  :)



Antw.: Sue | SdT 10.10.2020

Antwort #5
"Sue" hab ich ehrlich gesagt schon vorgestern vorgehört, als ich die veränderte Reihenfolge noch nicht mitbekommen hatte.
Da es auch nicht ganz schmerzfrei zu hören ist für mich hab ich es dabei belassen jede Version 1x zu hören und werde es dabei belassen.
Allerdings ist mir dabei auch zum ersten Mal richtig aufgefallen, wie sich die Ursprungsversion und die Blackstar-Version unterscheiden.
Ich mag auch beide Varianten sehr gern.
Liebe auf den ersten "Hörer" war "Sue" 2014 nicht für mich, als ich es gehört hab nachdem es bei BBC Premiere hatte.
Es war schon ein wenig gewöhnungsbedürftig für mich.
Aber allzu lange hat es nicht gedauert - und auch die neuen Fotos von ihm damals hab ich geliebt 😍

Hm zur Textinterpretation wird mir immer @Gilly einfallen, die es uns gut übersetzt hatte und sogar einen bestimmten Typen vor Augen hatte wie der Erzähler aussehen könnte - nämlich wie der Hauptdarsteller aus "Person Of Interest" (bzw der Linus aus "Lost") 😅
Den hab ich seitdem auch immer vor Augen dabei.

Tjaa...heutzutage interpretieren den Text ja auch viele komplett anders, und "Sue" als den Krebs 😢
KA....

Und natürlich hab ich auch heut wieder etwas gelernt. Nämlich dass er "Lazarus" damals schon als "Bluebird" aufnehmen wollte war mir neu! Danke @ezaube
💕💕💕


LG Simone

Antw.: Sue | SdT 10.10.2020

Antwort #6
Oh ja - auch ein Geschenk an mich 🤗! Obwohl Jazz eher weniger mein Genre ist, fand ich Sue vom ersten Ton an faszinierend, Maria Schneider und Donny McCaslin unbeschreiblich! Welch eine Atmosphäre!!! Hohe Kunst... Ich stellte mir immer vor, ich säße ahnungslos in einem kleinen Club in NYC, die Tür geht auf und ER kommt rein...uuuhhhh....of course fantasy ... da erwacht sogar Oogie aus dem digitalen Koma 😉.
Ganz bewusst einige Male gehört, empfinde ich das Release intensiver...und thanx @ezaube  für die super Recherche, wieder was gelernt. OMG, wie krass euphorisch die Bandmitglieder über David berichtet haben...dieses Interview mit Mr. Lefebvre...ihr werdet es alle kennen. Ich poste es besser nicht 😢😭...
Hach @sway99 beim nächsten Mal ist nix mehr verwaist 😉... sway.....you got the job....

LG
🤡

Antw.: Sue | SdT 10.10.2020

Antwort #7
Ich habe mir David auch in einem Jazzkeller vorgestellt das Album Blackstar performend.
Später erfuhren wir, er hatte genau das vor 😢

LG
Petra

Antw.: Sue | SdT 10.10.2020

Antwort #8
Zitat
Da es auch nicht ganz schmerzfrei zu hören ist für mich hab ich es dabei belassen jede Version 1x zu hören und werde es dabei belassen.
Allerdings ist mir dabei auch zum ersten Mal richtig aufgefallen, wie sich die Ursprungsversion und die Blackstar-Version unterscheiden.
Ich mag auch beide Varianten sehr gern.
Komischerweise konnte ich Sue von Anfang an gut anhören. Ich ordne den Kontext anders ein. Halt nicht mit seiner Person verbindend. Und ja - den drastischen Unterschied habe ich auch erst vorhin bewusst wahrgenommen. Krass....


Antw.: Sue | SdT 10.10.2020

Antwort #10
Mir ist der Unterschied zwar mehr als nur klar, aber ich habe dafür lange nicht die Maria Schneider Version gehört 😍. Was für ein Meisterwerk! Kein Wunder, das ich mich damals nicht mehr einbekommen habe.

LG
Petra

Antw.: Sue | SdT 10.10.2020

Antwort #11
Hab mir auch eben nochmal die "Nothing has changed" eingelegt und höre "Sue". Bowies Stimme ist hier noch wie gewohnt kraftvoll und nicht so brüchig wie auf "Blackstar". Bowie in Begleitung eines Orchesters ist wirklich grandios.

Antw.: Sue | SdT 10.10.2020

Antwort #12
Hab mir auch eben nochmal die "Nothing has changed" eingelegt und höre "Sue". Bowies Stimme ist hier noch wie gewohnt kraftvoll und nicht so brüchig wie auf "Blackstar". Bowie in Begleitung eines Orchesters ist wirklich grandios.

Genau das dachte ich mir auch. Die Blackstar-Version ist zwar irgendwie 'rockiger' aber seine Stimme viel fragiler. Und genau das war schmerzhaft zu hören (die Maria Schneider Version ging leichter)

LG Simone


Antw.: Sue | SdT 10.10.2020

Antwort #14
Hab mir auch eben nochmal die "Nothing has changed" eingelegt und höre "Sue". Bowies Stimme ist hier noch wie gewohnt kraftvoll und nicht so brüchig wie auf "Blackstar". Bowie in Begleitung eines Orchesters ist wirklich grandios.

Mir gefallen wie gesagt beide Varianten von "Sue" außerordentlich gut. Es ist witzig, dass ich in dieser Hinsicht genau den gegenteiligen Eindruck habe: bei den ersten Malen Anhören der Orchesterversion von "Sue" 'störte' es mich ein wenig, dass David - vor allem in der Passage gegen Ende des Songs wo er singt ".... that clooooooooooown" -  beinahe die Stimme bricht, wohl auch wegen der großen Emotionalität, die er in diese Zeile legt. Bei der Blackstar-Version hingegen habe ich dieses Gefühl nicht. Erstens einmal, weil er so lange Töne gar nicht singt bzw. die Passage "that Clown" mit einer Art Echo oder einem Hall unterlegt ist.

 
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