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Thema: Wild Is The Wind | SdT 07.12.2020 (1064-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema
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Wild Is The Wind | SdT 07.12.2020

Wild Is The Wind

Gute Coverversionen sind kein einfaches Unterfangen. Einerseits müssen sie sich stets einen strengen Vergleich mit dem Original gefallen lassen, andererseits erwartet man von ihnen, dass die dem Original einen eigenen Stempel aufdrücken – entweder durch eine neue Instrumentierung, dem Tempo oder der Interpretation. Wird die Coverversion „nur“ gut nachgesungen, stellt sich die Frage, warum man nicht gleich eine "Karaokeversion" eingesungen hat.

Bowie hat im Laufe seiner Karriere immer wieder (teils recht unbekannte) Songs gecovert und nicht alle kann man als gelungen bezeichnen.
Als absolut großartigen, unglaublichen, fast übermenschlichen (das meine ich im wahrsten Sinne des Wortes!) Höhepunkt dieser Versuche würde ich aber „Wild is the Wind“ bezeichnen, und ich frage mich noch heute wie es möglich war, dass sich Bowies Stimme in der ersten Hälfte der 70er so gigantisch entwickeln konnte.

Aufgenommen im Oktober 1975, war Bowies Version ursprünglich eine musikalische Verneigung vor Nina Simone (und ihrer Version), letzlich wurde sie aber, meiner Meinung nach,  Bowies „Best Vocal Performance Ever“.
Aber was macht „Wild is the Wind” so besonders? Nun, einereits ist die Instrumentierung exzellent und verzichtet auf jeglichen Bombast, andererseits stellt sie sich ganz in den Dienst der Stimme Bowies und unterstützt ihn dabei den Text nicht nur zu singen, sondern förmlich als „Naturgewalt“ darzustellen.

Ich habe mich beim hundertfachen Hören dieses Songs immer wieder gefragt wie man den Charakter dieses Songs wohl beschreiben kann..und ganz ehrlich: ich kann es noch immer nicht. Insofern schreibe ich zumindest einige Assoziationen auf, die ich mit dem Song verbinde: 1) (überpersönliche) Liebe („Don´t you know, You´re life itself) 2) Sehnsucht 3) Schmerz 4)  Fatalismus und 5) Gott bzw. Spiritualität

Der Philosoph Spinoza gilt als Vertreter des sogenannten „Pantheismus“ – einer philosophischen Richtung, die es ablehnte Gott als klar definiertes Wesen zu sehen, sondern als allumfassende Macht, die hinter allen Naturgesetzen (und eben auch dem Wind) steht. Dazu auch:

„Der Kosmos bzw. das Universum selbst ist diese Substanz, es gibt nichts außerhalb von ihr, sie ist in nichts Anderem, und somit sind alle Gegenstände Eigenschaften dieser Substanz; daher ist einer der Hauptgedanken bei Spinoza der, dass Gott in allem Seienden vorhanden ist. Es ist geläufig, diese Theorie Pantheismus zu nennen (vom Griechischen pan: alles, und von theos Gott). Jedoch ergibt sich von Proposition 16 an ein subtiler Bedeutungswandel: Spinozas Gott ist die Ursache aller Dinge, weil alles ursächlich und notwendigerweise aus der göttlichen Natur folgt: „auf die selbe Weise, wie aus der Natur des Dreiecks von Ewigkeit und in Ewigkeit folgt, dass seine drei Winkel gleich zwei rechten sind“.[16] „In diesem Sinne war Gott auch nicht frei, die Welt zu erschaffen (oder es zu unterlassen).“

Tja, und sowohl die Liebe, als auch der Wind, zwischen denen im Song ja eine ursächliche Verbindung hergestellt wird, haben für mich eben diese fast "pantheistische" Bedeutung. Wahrscheinlich werdet Ihr diese Interpretation als „übertrieben“ erachten, und ich glaube auch nicht, dass irgendwo sonst dieser Vergleich gezogen wird.

Was ich aber mit diesem Vergleich ausdrücken will: „Wild is the Wind“ ist der einzige Song, den ich kenne, in dem es ein Sänger schafft nicht nur grandios zu singen, sondern sein Ego so in den Hintergrund zu stellen, dass er letztlich  nur mehr als „Transportmedium einer Naturgewalt (wie der Liebe und dem Wind)“ in Erscheinung tritt. Ob diese Fähigkeit 1975 nicht zu einem hohen Maß Bowies exorbitanten Drogenkonsum geschuldet war, mag ich nicht ausschließen. Das Ergebnis macht mich jedenfalls noch nach 35 Jahren Hören sprachlos. Alleine der letzte Teil des Songs (ab etwa 4:25) ist auch ausreichend um Bowie anstandslos den „Zugang zu den besten Sängern aller Zeiten“ zu gewähren. Einfach unglaublich.



Antw.: Wild is the Wind | SdT 07.12.2020

Antwort #1
Einmal mehr famos beschrieben, diesen famosen Song! Danke, @Joe the Lion ! Ja, es stimmt - bleibt in Dauerschleife famos.

Freu mich schon auf den späteren, ausgiebigeren Hörgenuss...

Wild Is the Wind Famoser Titel für eine begeisterte (nicht famose..) Windsurferin ;)...und famos kalt erwischt: dass es ein Cover ist, war mir nicht präsent...Ned Washington / Dimitri Tiomkin nie gehört 🤷‍♀️

LG
🤡

PS: Danke für die lieben Wünsche, geht schon wieder...


Antw.: Wild is the Wind | SdT 07.12.2020

Antwort #2
@Joe the Lion : Brillante Interpretation eines brillanten Songs. Die Beschreibung "Naturgewalt" trifft hier in allen Belangen zu: Musikalisch, textlich, stimmlich...

Ein überirdisches Werk über die Liebe und das Leben in all seinen widersprüchlichen Facetten:
Verzweiflung und Erlösung,
Festhalten und Loslassen,
Einigkeit und Widerspruch.

Genieße den Moment, denn auch das Leben ist flüchtig wie der Wind….

Auf dem Plattenteller dreht sich wild wie der Wind von der BBC-Radio-Show vom 27.06.2000.

Antw.: Wild is the Wind | SdT 07.12.2020

Antwort #3
Zitat
Als absolut großartigen, unglaublichen, fast übermenschlichen (das meine ich im wahrsten Sinne des Wortes!) Höhepunkt dieser Versuche würde ich aber „Wild is the Wind“ bezeichnen...

Absolut!!!
Interessant sind die Originalversionen des Stücks. Beide sind maximal weit von "Wild" entfernt - ordentlich herzschmerzig, wie es 1957 halt oft war. Ein Cover kann auch zeigen, welches Potential in einem Song steckt. Eine Klasse für sich, was unser Freund daraus machte.

Original Johnny Mathis 1957


Nina Simone

Antw.: Wild is the Wind | SdT 07.12.2020

Antwort #4
Verdammt...2x hab ich jetzt einen Text geschrieben, und 2x ist er einfach verschwunden bevor ich ihn posten konnte. Nervig.
Zum Glück noch ohne Tubies!
Tja, dann mal auf ein Neues...


Haaach, "Wild Is The Wind" ist wirklich göttlich. Danke Joe!
Deine Interpretation ist auch interessant. Durchaus möglich denke ich, auch wenn ich natürlich selbst nie darauf gekommen wäre.
So oder so gehört er auf jeden Fall zu meinen absoluten Lieblingssongs, schon bevor ich mich als Fan gesehen habe.
Ständig hab ich ihn auf meiner Singles Collection gehört.
Besonders in Erinnerung ist mir dabei geblieben wie ich 1995 in meinem Au-Pair Jahr einen Dolphin Watching Trip machte, vorne im Boot saß und mir der Wind durchs Haar blies und ich dabei "Wild Is The Wind" hörte. 😍
Schade, dass es nicht Davids eigener Song ist - aber er macht ihn sich wirklich total zu eigen.
Im Auto hörten wir heute diverse Versionen, vom Original über Nina Simone und einige andere Interpreten - aber an David kommt niemand heran meiner Meinung nach.
Wirklich großartig!

Eine meiner Lieblingsversionen ist übrigens die Sway aufgelegt hat, vom BBC Konzert 2000.
Aber nicht die Version die man auf der offiziellen CD hören kann bzw bei der TV Austrahlung sah, sonder die ursprüngliche Fassung.
David eröffnete das Konzert direkt mit dem Song und hat sich versungen. Er sang "Love me love me say you do. Let me put my arms around you" statt "let me fly away with you".
Ich finde das sooooo putzig! Aber für die offizielle Veröffentlichung hat er es einfach korrigiert! 😜

Welche Version hattest Du denn @sway99 ?


Bowie Lyrics:

Wild Is The Wind

Love me, love me, love me, love me, say you do
Let me fly away with you
For my love is like the wind
And wild is the wind, wild is the wind

Give me more than one caress
Satisfy this hungriness
Let the wind blow through your heart
For wild is the wind, wild is the wind

You touch me
I hear the sound of mandolins
You kiss me
With your kiss my life begins
You're spring to me, all things to me

Don't you know you're life itself
Like the leaf clings to the tree
Oh, my darling, cling to me
For we're like creatures of the wind
And wild is the wind, wild is the wind

You touch me
I hear the sound of mandolins
You kiss me
With your kiss my life begins
You're spring to me, all things to me

Don't you know you're life itself
Like the leaf clings to the tree
Oh, my darling, cling to me
For we're like creatures of the wind
And wild is the wind, wild is the wind

Wild is the wind, wild is the wind
Wild is the wind


Davids Text unterscheidet sich etwas vom Original. Und andere Interpreten weichen teilweise auch wieder etwas ab - manche hören zB den sound of violins statt mandolins ;)

LG Simone


Antw.: Wild is the Wind | SdT 07.12.2020

Antwort #5
Tubies:

Harry Maslin Mix


Official Video


1983 mit Stevie Ray Vaughn (Audio)


Roseland, 16.06.2000 (danke @ezaube )


Roseland 19.06.2000 (Audio)


TFI Friday 2000


Glastonbury 2000


BBC 2000 (Audio; ursprüngliche Version!)


BBC 2000 (polierte  Version)


Yahoo Awards 2000


Black Ball 2006 (sorry für die Qualität - hab ich gefilmt)


Celebrating David Bowie 2016


Celebrating David Bowie 2018


George Michael (Audio)


George Michael (Video)


Joanne Shaw Taylor (die wurde übrigens von A.S.S., Sandras Arbeitsgeber, veranstaltet, daher kannte ich die Version sogar schon)




Chrissie Hynde


Barbra Streisand


Randy Crawford


Lauryn Hill

Antw.: Wild is the Wind | SdT 07.12.2020

Antwort #6
Bin völlig geflasht von dem Original-Video. Im Sitzen gesungen!!! Unglaublich, WAHNSINN!!!
Unfassbar schön...lange nicht reingeschaut. Fehler. Super, @Joe the Lion !

Antw.: Wild is the Wind | SdT 07.12.2020

Antwort #7

Eine meiner Lieblingsversionen ist übrigens die Sway aufgelegt hat, vom BBC Konzert 2000.
Aber nicht die Version die man auf der offiziellen CD hören kann bzw bei der TV Austrahlung sah, sonder die ursprüngliche Fassung.
David eröffnete das Konzert direkt mit dem Song und hat sich versungen. Er sang "Love me love me say you do. Let me put my arms around you" statt "let me fly away with you".
Ich finde das sooooo putzig! Aber für die offizielle Veröffentlichung hat er es einfach korrigiert! 😜

Welche Version hattest Du denn @sway99 ?


Guten Morgen, das ist in der Tat eine überraschende Entdeckung. Auf dem Bootleg eröffnet er den Song mit  "Let me put my arms around you" und auf der offiziellen VÖ "let me fly away with you". Dass hatte ich bislang nicht gemerkt und finde, dass es auch nicht nach einem hörbaren Fehler klingt. Es sind ja "nur" die Zeilen vertauscht. Putzig ist es trotzdem ;)

Antw.: Wild Is The Wind | SdT 07.12.2020

Antwort #8
Wild Is The Wind

Gute Coverversionen sind kein einfaches Unterfangen. Einerseits müssen sie sich stets einen strengen Vergleich mit dem Original gefallen lassen, andererseits erwartet man von ihnen, dass die dem Original einen eigenen Stempel aufdrücken – entweder durch eine neue Instrumentierung, dem Tempo oder der Interpretation. Wird die Coverversion „nur“ gut nachgesungen, stellt sich die Frage, warum man nicht gleich eine "Karaokeversion" eingesungen hat.


Warum hat mir das den keiner gesagt? Und so stand ich gestern in einem Charity-Shop entlang der verlängerten Hauptstr. und wühlte in den spärlich vorhandenen Vinyl-Scheiben und solperte zu meiner Überraschung über den Soundtrack des Films "Die Brücke am Kwai".

Auf der B-Seite findet sich dann die große Überraschung: Helmut Zacharias und seine Verzauberten Geigen spielen "Wild is The Wind". Tja und hier haben wir Sie nun, die oben schon angekündigte "Karaokeversion". Der Gesangsteil wird von Solo-Violine ersetzt.  Maximal skurril. Doch noch überraschender ist für mich ist die A-Seite. Hier höre ich das ebenfalls von Helmut Zacharias und seinen Verzauberten Geigen eingespielte und mir aus der Werbung bekannte "Komm doch mit auf dem Underberg".

Und nun sitze ich da mit dem ganzen Kladderadatsch und kann sehen, wie ich damit klar komme  ;)

Vor 30 dreißig Jahren war ich übrigens an der Brücke am Kwai und habe diese besichtigt. In einem thailändischen Hostel habe ich mir das Buch "ausgeliehen" und dieses während meiner Zeit in Thailand auch gelesen. Den Film habe ich nie gesehen, daher war mir der Soundtrack auch gänzlich unbekannt. Ob "Wild is The Wind" Teil des Soundtracks ist, geht aus der Single übrigens nicht wirklich hervor. Das müsste nun noch geklärt werden. Wer hilft?

Antw.: Wild Is The Wind | SdT 07.12.2020

Antwort #9
Wild Is The Wind

Gute Coverversionen sind kein einfaches Unterfangen. Einerseits müssen sie sich stets einen strengen Vergleich mit dem Original gefallen lassen, andererseits erwartet man von ihnen, dass die dem Original einen eigenen Stempel aufdrücken – entweder durch eine neue Instrumentierung, dem Tempo oder der Interpretation. Wird die Coverversion „nur“ gut nachgesungen, stellt sich die Frage, warum man nicht gleich eine "Karaokeversion" eingesungen hat.


Warum hat mir das den keiner gesagt? Und so stand ich gestern in einem Charity-Shop entlang der verlängerten Hauptstr. und wühlte in den spärlich vorhandenen Vinyl-Scheiben und solperte zu meiner Überraschung über den Soundtrack des Films "Die Brücke am Kwai".

Auf der B-Seite findet sich dann die große Überraschung: Helmut Zacharias und seine Verzauberten Geigen spielen "Wild is The Wind". Tja und hier haben wir Sie nun, die oben schon angekündigte "Karaokeversion". Der Gesangsteil wird von Solo-Violine ersetzt.  Maximal skurril. Doch noch überraschender ist für mich ist die A-Seite. Hier höre ich das ebenfalls von Helmut Zacharias und seinen Verzauberten Geigen eingespielte und mir aus der Werbung bekannte "Komm doch mit auf dem Underberg".

Und nun sitze ich da mit dem ganzen Kladderadatsch und kann sehen, wie ich damit klar komme  ;)

Vor 30 dreißig Jahren war ich übrigens an der Brücke am Kwai und habe diese besichtigt. In einem thailändischen Hostel habe ich mir das Buch "ausgeliehen" und dieses während meiner Zeit in Thailand auch gelesen. Den Film habe ich nie gesehen, daher war mir der Soundtrack auch gänzlich unbekannt. Ob "Wild is The Wind" Teil des Soundtracks ist, geht aus der Single übrigens nicht wirklich hervor. Das müsste nun noch geklärt werden. Wer hilft?

Was hat unser Sway denn da Skurriles erbeutet? Die verzauberte Geige mit dem Underberg - okay.
Doch Wild Is the Wind? Film von '57, Original von '57. Aber das wars auch schon. Auch musikalisch passt das so gar nicht zum Film. Hör schon wieder jemanden grummeln...wenn man über Filme schreibt, sollte man sie auch gesehen haben.  Kriegsfilm. Bin raus.

Was zum Soundtrack:

Die Brücke am Kwai Soundtrack - FILMSTARTS.de

Nix Wild Is the Wind - erstaunlich. Hat Helmut gepfuscht? Tss tss...

Schönen Tach
Oogie

Antw.: Wild Is The Wind | SdT 07.12.2020

Antwort #10
@sway99 : Ganz  ganz schlimm...lässt mich natürlich nicht los:

Darfst zum Slowfox bitten. Mit Bierpulle und verschränkten Armen, versteht sich.

A Seite: Der Underberg-Marsch zur Brücke vom Kwai

B Seite: Slow Fox 'Wild Is The Wind'

Sacht Discogs

https://www.discogs.com/de/release/5553806-Helmut-Zacharias-u-s-Verzauberten-Geigen-Die-Br%C3%BCcke-Am-Kwai-Wild-Is-The-Wind

Meine Güte, sind wir Nerds. Schlimm...

Es grüßt grinsend
Oogie

Antw.: Wild Is The Wind | SdT 07.12.2020

Antwort #11
Kein Song des Soundtracks von "Kwai"!
Exelent gesungen!
By the way, das Video ist ist keine Live-Aufnahme! Playback von der Studioversion von '76, aber 2, 3 Jahre später gefilmt!
The Nerds are out to night
V.

 
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